Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 149
(PDF, 180 MB)
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BONBONNIEREN a ENTWURF ARCH. KARL KLAUS a AUSFÜHRUNG: ERNST WAHLISS, WIEN

NEUE SERAPIS-FAYENCEN

Es ist kaum mehr als ein Jahr verflossen,
seit die Serapis-Fayencen zum erstenmal
in einer größeren Schaustellung auftraten.
Nach kleinen Vorläufern in London und Turin
brachte in Wien ein ganzer Raum der Winterausstellung
1911/12 im Oesterreichischen
Museum für Kunst und Industrie diese neue
keramische Leistung zur Kenntnis weiter
Kreise. Heute überrascht eine große Kollektion
von mannigfaltigen Gefäßformen und keramischen
Ziergegenständen denjenigen, der sich
zum erstenmal mit diesen Fayencen bekannt
macht. Die vorgeführten Abbildungen bilden
eine kleine Auswahl neuerer Typen und zeigen
den eigenartigen Reiz der Formgebung und
des farbigen Dekors allerdings nur in ihrer
Uebersetzung durch das Lichtbild. Dazu muß
man sich eine heitere und klare Farbengebung
denken, die mitunter sogar eine Hauptrolle
spielt.

Von jenen einfachen Objekten, die auf
einem Elfenbeingrund
nur mit
Linien und Streifen
belebt sind,
zujenenanderen,
deren klare und
einfache Tonung
der alten Porzellanskala
der
Biedermeierzeit
entnommen zu
sein scheint, bis
zurgänzlichbun-
ten, farbig belebten
Fläche, wie
sie die orientalische
Fayencekunst
liebte, ist
eine Steigerung

ARCH. KARL KLAUS □ JARDINIERE, FARBEN SCHWARZ, GRÜN, GOLD
AUSFUHRUNG IN SERAPIS-FAYENCE: ERNST WAHLISS, WIEN

erreicht, die allen möglichen Zwecken gerecht
wird, alle möglichen dekorativen Bedürfnisse
befriedigt.

Vom technischen Standpunkt ist das schöne
feine Material der Fayence hervorzuheben,
das in Verbindung mit einer Glasur von relativ
hohem Schmelzpunkt starke Temperaturen
verträgt. Dadurch wurde eine reichere Farbenskala
ermöglicht, als bisher irgend eine
Fayencegattung besaß; neben einem sammtigen
tiefen Schwarz sind Tonungen unter der Glasur
von so starker Leuchtkraft, von solcher
Reinheit und Tiefe angewendet, daß der graziösen
Phantasie des dekorierenden Künstlers
ein weiter Spielraum gegeben ist. Außerdem
aber wurden Gold und Platin unter der letzten
Glasur zur Erhöhung des Glanzes und zur Abgrenzung
der Flächen und Konturen des Ornaments
hinzugefügt, was die Klarheit und Bestimmtheit
des ornamentalen Rhytmus verstärkt.
Während das Zusammenfließen der Tonung,

das Farbenspiel
von Metalloxyden
und der freie
Pinselstrich alte
Fayencetechniken
charakterisiert
, weisen hier
bestimmter Umriß
und symmetrische
Strenge
auf ein architektonisches
Arbeitsprinzip
hin.
Ebenso läßt der
persönlich empfundene
und entwickelte
Umriß
derGefäßformen
das Streben er-

149


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