http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0196
farben: gold, grün u. rot auf schwarz. grund farben : gold, grün u. rot auf schwarz. grund
blumentopfe in serapis-fayence □ entwurf: karl klaus-wien b ausführung: ernst wahliss, wien
kennen, Konventionelles zu vermeiden, Abgebrauchtes
zu verlassen und aus Material und
Technik die schönsten und einfachsten Wirkungen
, aus dem Zweck aber die sichersten
Form-Einflüsse abzuleiten. Allem rein Zufälligen
ist hier aus dem Wege gegangen.
Man geht nicht fehl, wenn man bei diesen
eigenartigen Resultaten, die so streng und
doch wieder so gefällig wirken, den Einfluß
eines führenden, architektonisch denkenden
Künstlers vermutet. Tatsächlich ist die Schule
Josef Hoffmanns der Ausgangspunkten welchem
durch Studien und
Versuche die ersten
Ideen festgelegt
wurden. Karl
Klaus, auch Franz
Staudigl und Ch.
Galle haben diese
Anfänge dann aufgenommen
,mit vollem
Verständnis für
ihre Aufgabe weiter
entwickelt und ausgebaut
.
Ernst Wahliß widmete
der Erzeugung
, der Ausdehnung
der Arbeitsgelegenheit
, dem
Vertrieb eine starke
Bereitwilligkeitund
Energie und ermöglichte
so einigen
jungen und begabten
künstlerischen
Kräften die Schaffang
wertvoller Keramik. Es ist erklärlich, daß
man zur Fayence griff, um ihr neue künstlerische
Möglichkeiten zu entlocken. Dieses
schöne und so gestaltungsfähige Material
kommt der künstlerischen Belebung weit mehr
entgegen, gestaltet insbesondere eine größere
Wärme der Färbung und eine größere Weichheit
und Eleganz der Formgebung, eine
direktere künstlerische Einflußnahme als die in
starkem Feuer erzeugten, harten, keramischen
Produkte. Zwischen den prunkvollen und edeln
Lüster-Fayencen des Orients und den naiven
,wirkungsvollen
Bauern - Majoliken
der Heimat steht
nun als vornehmes,
für die Ausgestaltung
strenger, moderner
Innenräume
besonders geeignetes
Schmuckmaterial
die Serapis-
Fayence.
Sie bildet einen
neuen Beweis für
die ganz allmählich
fortschreitende
Durchdringung aller
Arbeitsgebiete
des Kunstgewerbes
mit einem neuen
Geist und vermag
insbesondere auch
dem Schlagwort der
Ornamentfeindlichkeit
entgegen zu
wirken, da hier die
jardiniere (gold, grün, blau, rot auf schwarz. grund)
150
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0196