Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 182
(PDF, 180 MB)
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ARCH. BRUNO PAUL-BERLIN

Alltags entsprechend, kleiner gehalten sein.
Dieses Prinzip ist für das bürgerliche Wohnhaus
durchaus mustergültig und entspricht den
Bedürfnissen, die ein moderner Mittelstand
heute billigerweise stellen muß. Geringeren
Anforderungen würde auch ein großer Raum
genügen, der höchstens von zwei kleineren
eingefaßt zu sein braucht, da erfahrungsgemäß
die Geselligkeit sich meistens in einem
Räume konzentriert. Jedenfalls ist bei der
noch heute üblichen Mietwohnung mit einer
ganzen Zahl kleiner, unbrauchbarer Räume
eine große Geselligkeit geradezu unmöglich
gemacht, wenn nicht vorher, um Raum zu
schaffen, alle bewegliche Habe aus den Zimmern
entfernt wird. Was auf diesem Gebiete
in Berliner Mietwohnungen geleistet wird,
grenzt ans Tragikomische. Das Prinzip des
Einheitsraumes hat sich allmählich aus dem
Atelierleben der Künstler entwickelt und wird
für den weiteren Ausbau noch auf manche
Art zu variieren sein.

Das Haus H. bringt hier einen geradezu glänzenden
Vorschlag, besonders durch den Ausbau
der Apsis, die in Verbindung mit Speisezimmer
und Diele an das basilikale Grundschema
des alten Festraumes erinnert. Aus

HAUS H.: VESTIBÜL

diesem Zusammenhange heraus, sind beide
Räume durch den Charakter ihrer Helligkeit
möglichst zusammengefaßt. In der Diele besteht
die Wandbespannung aus einem groß-
mustrigen Stoff mit Blumengirlanden. Das
gleiche Muster kehrt auf den Möbeln wieder
, während Decke und Teppich in ruhigem
Kontrast die Lebendigkeit des Musters steigern
. Möbel und Holzpfeiler der Wand sind
in strenger Symmetrie gehalten, das alte Geheimnis
der edlen und einfachen Kunst, die
hier bis in alle Einzelheiten mit größter Konsequenz
durchgeführt wurde.

Von der Diele ins Eßzimmer führt eine
weiße Schiebetür aus Rautenstäben mit Rosetten
zusammengehalten, darüber das Symbol des
Hauses von Girlanden umrahmt.

Das Eßzimmer in Rot scheint räumlich am
wirkungsvollsten. Die Gliederung der Wand
durch weißes Rahmenwerk in klare Einheiten
und das ähnlich aufgeteilte Halbrund des
Erkers ist für diesen Eindruck bestimmend.
Zwischen den Türen zum Garten hin sind im
Halbrund vier hohe Spiegel angeordnet, die
im Lichte des Tages oder am Abend im Wiederspiegeln
der Lichterkrone dem Räume Glanz
und Lebendigkeit verleihen. Hier endlich ist

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