Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 191
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ARCH. BRUNO PAUL-BERLIN

der modernen Wohnungskultur im allgemeinen
noch fehlt, ist die Verquickung mit künstlerischen
Elementen der Plastik und der
Malerei. Bruno Paul hat vorläufig erst die
kostbare Schale geschaffen, die trotz ihrer
selbständigen Schönheit den eigentlichen Kern
erst fassen soll. Der Künstler selbst brachte
für die dekorative Ausgestaltung die stärkste
Veranlagung mit. Für den „Simplicissimus" hat
er Zeichnungen geschaffen, die unvergeßlich
sind, Volkstümliches aus der oberbayerischen
Landschaft und Aehnliches, das sich zu einer
großzügigen Malerei für Diele und Wohnraum
in glänzender Weise eignen würde. Leider
hat Paul diese einzigartige Seite seiner Veranlagung
in Berlin völlig abgestreift. Er ist
ganz zum Raumkünstler geworden, und man
gewinnt den Eindruck, daß er uns seine letzte
eigentliche Veranlagung noch vorenthält.

Wenn man von Bruno Paul absehen muß,
so kommen für die Ausstattung des modernen
Bürgerhauses heute eine große Anzahl junger
Maler und Bildhauer in Betracht, die leider
noch ein einsames Dasein fristen. Vor allem
die Künstlergruppen des „Blauen Reiters",
der „Neuen Secession", der „Brücke" und
andere, die heute auch dem Mittelstand finanziell
noch erreichbar sind, und denen damit Ge-

HAUS H.: WAND IM HER RENSCHLAFZIMMER

legenheit würde, in Sturm und Drang sich
auszuleben. Es gibt heute kaum Jemanden,
der sein Haus diesen „Wilden" preisgeben
würde. Mit Unrecht. Man würde viele Freude
an diesen Dingen haben und gleichzeitig das
Bewußtsein, der jungen Kunst nach besten
Kräften ein Helfer zu sein. Denn wer kann
heute sagen, was aus dieser neuen kraftvollen
Art sich entwickeln wird? Wir stehen
heute vor einer ähnlichen Wandlung der
Anschauung wie vor hundert Jahren in den
Zeiten der Romantik. Man lerne aus den
folgenden Worten aus Goethes „Kunst und
Altertum" vom Jahre 1817, wie man nicht mit
überlegenem Witz und moderner Kritik, sondern
ernst und gemessen das neue Werden verfolgte
und beobachtete: „Gegenwärtig herrscht, wie
allen denen, die sich mit der Kunst befassen
wohl bekannt ist, bey vielen wackern Künstlern
und geistreichen Kunstfreunden eine leiden-
schaftlicheNeigung zu dem ehrenwerthen,naiven,
doch etwas rohen Geschmack, in welchem die
Meister des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts
verweilten. Diese Neigung wird allerdings
in der Kunstgeschichte merkwürdig
bleiben, da bedeutende Folgen daraus entstehen
müssen; allein von welcher Art sie seyn
werden, bleibt zu erwarten. Ob, wie Be-

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