Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 192
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ARCH. BRUNO PAUL-BERLIN

günstiger jenes neu hervorgesuchten alten Geschmacks
hoffen, die Kunst auf solche Weise
sich wieder erheben werde? ob ihr ein frommer
Geist neue Jugend, frisches Leben einzuhauchen
sey? oder, wie die Gegner befürchten
, ob man nicht vielmehr Gefahr laufe
den schönen Styl der Formen gegen Magerkeit
, klare, heitere Darstellungen gegen abstruse
, trübsinnige Allegorien umzutauschen
und das charakteristische, tüchtige, kräftige
immer mehr zu verlieren? Geschehe übrigens,
was da wolle, allemal bleibt es der Mühe
wert zu forschen, wie solche Neigung, solche
Vorliebe zum Veralteten Eingang fand, und
was für Umstände zu ihrer Verbreitung bey-
getragen." Es ist merkwürdig wie heute ganz
ähnliche Stimmungen die jungen deutschen
Künstler ergriffen haben. Auch wir gehen
heute wieder auf primitive Zeiten, auf die
mittelalterliche Anschauung und auf die Volkskunst
zurück, weil wir einsehen, daß dort die
eigentlichen Wurzeln unserer Kraft liegen, die
in Wachstum und Entwicklung durch fremde
Einflüsse jahrhundertelang aufgehalten wurden.
Kraftvolle Anschauungen des Mittelalters begegnen
sich mit der modernen Arbeitsweise
unseres Volkes. Das Arbeiten an der Maschine,
die großen Anlagen innerhalb des Industrie-

HAUS H.: ARBEITSZIMMER DES HERRN

gebietes haben gänzlich neue Anschauungen,
neue Werte an Kraft und Größe gezeitigt.
Wer einmal die großen Hochöfen gegen den
Nachthimmel sah, die Silhouetten der Fabriken,
die Kegel der Schlackenberge, der weiß, daß
hier eine neue Welt entstanden ist, die weit
von der arkadischen Romantik anderer Landstriche
abliegt. Diese neue Anschauung ringt
nach Ausdruck. Wir finden sie wieder in der
volkstümlichen Kunst der Frühzeit, der romanischen
Kunst, in der Architektur der
Bauernhäuser, in der Volkskunst selbst, in
der kraftvollen Art einfacher klassizistischer
Bauwerke. Vor allem im Volkstümlichen ruht
eine frische Lebendigkeit, die unerschöpflich
ist und eine Fülle neuer Einfälle birgt. Unser
junges Volk besinnt sich endlich auf sein eigenes
Wachstum. Im allgemeinen war viel fremdländischer
Einschlag in der deutschen Kunst.
Man mußte ihn mit in Kauf nehmen, weil
nichts Besseres vorhanden war. Für die Zukunft
muß er zurückstehen vor dem neuen
Wollen eines jungen Geschlechts. Aus diesem
Gesichtspunkt heraus sind die modernsten Strömungen
unserer jüngsten Kunst zu erklären.
Man suche ihreWeiterentwicklungausderNatur-
notwendigkeit unserer Zeit heraus zu verstehen
und zu würdigen. Max Creutz

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