Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 199
(PDF, 180 MB)
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HUGO STEINER-PRAG

KeinMensch kann
vorher wissen,
waseineNation alles
zu leisten vermag,
wenn ihr die Sonne
der Weltgeschichte
günstig leuchtet.
Was weiß man denn
davon, was alles in
einem Einzelmenschen
steckt, solange
er nicht die
Gelegenheit hatte,
sich zu entfalten?
Wer hätte es früher
den Deutschen zugetraut
, daß sie jetzt
Untergrundbahnen
und Luftschiffe herstellen
? Wer hätte
ihnen überhaupt
noch zugetraut, daß
sie ihre Einheit
rinden?

Aber Kunstformen zu schaffen ist doch noch
etwas anderes als Wissenschaften begründen
und Hochöfen bauen. Dazu gehört eine geheimnisvolle
seelische
Kraft, für die es keine
erlernbaren Vorbilder
gibt. Soll nun gar aus
vielen einzelnen Kräften
ein nationaler Formensinn
entstehen, so hört
alle mitgebrachte Methode
auf. Man kann
nichts tun, als auf die
Pulsschläge des neuen
Werdens achten und
durch Mitfreude das stärken
, was aus der Tiefe
der Seelen aufsteigt.

Machen wir also die
Augen auf! Schauen wir
an, was die neue Kunst
uns bietet! Lernen wir
von ihr, sie verstehen!
Dann werden wir uns
persönlich entscheiden
können, ob wir an ihre
Zukunft glauben. Mit
Theorie ist hier nichts
getan. Wer Augen hat
zu sehen, der sehe!

Zuerst die Gegenstände
der neuen Kunst
selbst und dann ihre
bisherige Einwirkungauf

EINLADUNGSKARTE

MELA KOEHLER-WIEN

Inland und Ausland
. Aus beiden
zusammen ergibt
sich dann der innere
Entschluß, bei
dieser Sache mehr
zu sein, als ein
Zweifler.

Die Gegenstände
der neuen Kunst
sind heute schon so
verbreitet, daß jeder
einige von ihnen in
Natur vor sich haben
kann, wenn er nur
darnach sucht. In
diese Objeke soll
sich der Beschauer
vertiefen, damit er
von ihnen aus die
zahlreichen Abbildungen
mit innerer
schaffender Anteilnahme
sich selbst
vorführen kann. Es genügt nicht, nur kurz Notiz
zu nehmen, wie man einen Bücherkatalog
durchblättert oder ein Verkaufsverzeichnis eines

Versandgeschäftes. Die
Kunst will als Kunst verstanden
werden, oder sie
wird nicht verstanden.

Es ist gar nicht nötig,
daß man alles schön
findet oder lobt oder
gleich hingenommen ist.
NurkeineModebegeiste-
rung! Wem diese Gestaltungen
nichts sagen, der
ist deshalb noch kein
schlechter Mensch, nur
kann er bei der deutschen
Kunstaufgabe nicht mithelfen
. Das aber wird
auch der Kalte und Nüchterne
zugestehen, daß es
sich heute nicht mehr
bloß um einzelne Versuche
kecker Neuerer
handelt,sondernumeine
ganze neue Welt von
Formen, um eine geschichtliche
Gesamterscheinung
von großer
Merkwürdigkeit. Das
Einzelne daran mag ruhig
preisgegeben werden.
Friedrich Naumann

(Aus: „Der deutsche Stil")

weihnachtskarte

VERLAG DER „WIENER WERKSTATTE«, WIEN

199


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