http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0281
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anbetung der hirten jesus im tempel
entwurf: johann thorn-prikker □ ausführung: gottfried heinersdorff, berlin
für die einzelnen Schichten des Volkes ist bisher
zu wenig gedacht. Das bäuerliche Volk, auf
weiten Feldern, hat in seiner Ruhe eine andere
religiöse Sehnsucht, wie ein Volk der Arbeit
im Getöse großer Werke. Thorn-Prikker konnte
mitten heraus aus einer Stadt der Arbeit dieses
Letzte eines Volkes verstehen und mit der
Wucht eines neuen Wollens verkörpern. Die
Kraft dieser Gestalten entspricht Menschen, die
schwer am Leben tragen. Die beteiligten Kreise
werden sich endlich auf diese Unterschiede und
die Forderungen einer neuen Zeit, eines anders
gewordenen Volkes besinnen müssen.
Auch in technischer Beziehung sind die Glasmalereien
Thorn-Prikkers von großer Vollendung
. Ihre Bearbeitung gibt für die Glasmalerei
neue Möglichkeiten der Entwicklung. Der Glasmaler
Gottfried Heinersdorff in Berlin hat
das große Verdienst, nicht nur technisch, sondern
mit feinem künstlerischen Verständnis dem
Wollen Thorn-Prikkers in jeder Beziehung entsprochen
zu haben. Er hat auch literarisch
seine Erfahrungen dem neuen Fortschritt in der
Glasmalerei dienstbar gemacht. Nach ihm krankt
diese Technik ebenso stark wie am Mangel wirklicher
Künstler an einer ganz einseitigen, den
heutigen Aufgaben nicht gerecht werdenden Ausführung
. Nachdem man bis ins letzte Viertel
des vorigen Jahrhunderts meist noch mit bunten
Farben auf weißen Gläsern malte, lernten die
Glasmaler durch die vielfach notwendig werdenden
Erneuerungen alter Scheiben, nach und nach
die Technik des Mittelalters bis zu einem gewissen
Grade kennen und nachahmen. So wurden
bekanntlich in verschiedenen deutschen
Werkstätten die alten Scheiben ausgezeichnet
ergänzt und kopiert und soweit bei neuen
Aufträgen ein strenges Einhalten mittelalterlicher
Stilformen verlangt wird, werden diese
Aufgaben auch verhältnismäßig gut gelöst.
Für die übrigen Aufgaben hat sich ein besonderer
Stil herangebildet, den die Fachleute die
Münchener Technik nennen. Es sind jene
Scheiben, die in Schwarzlot möglichst plastisch
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