Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 226
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Auge gefaßt, die wieder
ein Wallfahrtsort
werden sollte durch die
Kostbarkeit ihrer Werke
, wie die Kathedralen
des alten Frankreichs
.

Naturgemäß war es
unmöglich, mit den bedeutenden
Mitteln zu
arbeiten, die den mittelalterlichen
Werkstätten
zur Verfügung
standen. Die alte Begeisterung
, derart kostbare
Werke etwa wie
in der Isle de France
oder auch im Dom und
in St. Kunibert in Köln
zu schaffen, ist erloschen
, und es scheint
heute unmöglich, solche
Opferfreudigkeit
wieder zu wecken. Für
die Glasfenster Thorn-
Prikkers standen auch
nur annähernd solche
Mittel nicht zur Verfügung
. Dennoch wollte
man eine ähnlich tiefe
Farbigkeit wie bei den
frühmittelalterlichen
Scheiben durch eine
kleine, mosaikartige
Aufteilung erreichen
. Es bestand
hier jedoch nicht
wie bei den anderen
Glasmalern die Absicht
, romanische
Stimmung zu erzielen
; dasGanze sollte
vielmehr als ähnliches
Erzeugnis unserer
Tage durchaus
modern in der Gesamtwirkung
bleiben
. Das wurde in
geradezu glänzender
und meisterhafter
Art erreicht mit
Kontrastwirkungen
der Glasstrukturen
und verschiedenster
Schwarzlotbehandlung
in Ueberzug
und Kontur. Einzelne
Partien der

JOHANN THORN-PRIKKER □ DER GANG NACH EMAUS

JOHANN THORN-PRIKKER ORNAMENTALES FENSTER

Ausführung: Gottfried Heinersdorff, Berlin

Fenster sind möglichst
grobkörnig im Ueberzug
gestupft und daneben
wiederum weiche
Flächen gesetzt. Die
Lichter kratzte man
stellenweise mit breiten
Hölzern heraus und
daneben wurden wie-
derTeile feiner m it dem
Pinsel oder dem Finger
radiert. Nach Möglichkeit
strebte man darnach
, nicht zu viel
Schwarzlot auf denGlä-
sern zulassen,umnicht
den üblichen Eindruck
eines künstlichen Altmachens
hervorzurufen
. Die größeren Tiefen
sind daher mehr
durch die Wahl tieferer
Gläser erreicht. Durch
breite Bleiprofile entstand
so eine kraftvolle
Wirkung.

Als Ganzes stellen
dieGlasgemäldeThorn-
Prikkers die wertvollste
Schöpfung der
Kunst unsererTage dar.
Die Gemeinde, deren
Kirche sie einmal
schmückt, ist zu beneiden
. Ihr Besitz wird
eine Anziehungskraft
bedeuten, die
weit über die lokalen
Grenzen hinausgreift
. Ein Tempel
von Licht und Farbenpracht
könnte
hier wieder entstehen
, wie jene Kuppel
, die Gregor von
Nazianz in Kleinasien
aufführte und
seinem Amtsbruder
schilderte: „wie am
Morgen von Osten,
am Abend von Westen
, die Sonnenstrahlen
sich in der
Kuppel fangen, wie
wäre sie in Wirklichkeit
ein Tempel
des Lichtes".
Max Creutz-Köln

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