http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0290
gar mißglückt sind, teils aber auch zu recht |
erfreulichen Resultaten geführt haben. Dazu ?
zähle ich in erster Linie die plastischen Arbei- (
ten Erich Schmidt-Kestners, dessen hier ab- (
gebildete Fuchsgruppe den Vergleich mit ähnli- v
chen Arbeiten unserer großen Staatsmanufak- \
turen nicht zu scheuen braucht, ihnen weder ;
in der geschickten Komposition und sorgfälti- )
gen Modellierung der in einem Moment kraft- (
vollster Lebendigkeit gegebenen Tierkörper, (
noch in der Qualität des Scherbens nachsteht, f
Man vergleiche sie daraufhin mit der von (
Theodor Kärner geschaffenen Gruppe „Wie- (
sei und Rebhuhn" der Nymphenburger Porzel- (
lan-Manufaktur (Abb. Ok- j
toberheft 1910, Seite 38). S
In beiden Arbeiten ist )
die Verkörperung listiger r
Mordgier in den sich seh- (
nig streckenden Raubtie- (
ren und die Todesangst der (
sich mit letzter Kraft hilf- )
los sträubenden Opfer den *
Künstlern meisterlich ge- )
lungen. t
In den nach Entwürfen )
Helen Reitters ausge- r
führten Vasen hat die Ma- (
nufaktur die Idee der far- (
bigen Silhouetten, in denen (
der Kolorismus unserer )
Zeit ganz neue Bildwir- j
kungen und Ausdrucksmöglichkeiten
gewonnen /
hat, auf das Porzellan übertragen
. Die lustige Buntheit
dieser aus farbigem |
Papier geschnittenen und (
übereinander geklebten Scherenbilder lebt (
auch in diesen Vasenbildern, für welche im
der Verständnislosigkeit
der großen Menge Rechnung
tragen. Darüber dürfen
wir uns nicht täuschen,
und um so mehr ist es
eine Forderung der Gerechtigkeit
, auch die Mitarbeit
jener Industriellen
anzuerkennen, die trotz un-
vermeidlicherEnttäuschun-
gen und der mancherlei
Schwierigkeiten eines erfolgreichen
Zusammenarbeitens
von Künstlern und
Fachleuten wenigstens einen
Teil ihres Betriebes
in den Dienst unserer Bestrebungen
stellen. Und
nicht nur Anerkennung,
auch Ermutigung und Förderung
verdient die stille
Arbeit, die so an mancher
abseits gelegenen Produktionsstätte
geleistet wird
und durch den weit reichenden Einfluß ge
schäftlicher Beziehungen, wie durch die Wohl
feilheit ihrer Erzeugnisse Verständnis für
die Forderungen eines verfeinerten Geschmackes
allmählich in Bevölkerungskreise
trägt, die solchen Bestrebungen
heute noch verschlossen sind.
Schon vor zwei Jahren habe ich hier
auf die Ilmenauer Porzellanfabrik
Metzler & Ortloff hingewiesen, die
damals gemeinsam mit den Bildhauern
Paul Wynand und Paul Zeiller eine Reihe
von künstlerisch wertvollen Arbeiten auf
den Markt gebracht hatte, die der technischen
Leistungsfähigkeit der Manufaktur
alle Ehre machten. Seitdem hat
die Fabrik in frischem Wagemut auch
mit anderen Künstlern mancherlei Versuche
gemacht, die teils über das Ex-
perimentierennichthinausgekommen oder
PAUL ZEILLER PORZELLANFIGUREN
Ausführung: Gebr. Metzler & Ortloff, Ilmenau
231
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0290