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VASEN UND DOSE NACH ENTWÜRFEN VON
HELEN REITTER UND FRAU L. H. DECHENT
AUSGEFÜHRT VON GEBR. METZLER & ORTLOFF
q PORZELLAN-MANUFAKTUR, ILMENAU I.TH. □
Gegensatz zu den Scharffeuerfarben der plastischen
Arbeiten auf die weit reichere Palette
der Aufglasurmalerei zurückgegriffen
ist. Ohne jede Zeichnung von Einzelheiten
sind die Farbflächen hier plakatartig nebeneinandergesetzt
in lebhaften Kontrasten oder
in sorgfältig abgestimmten Harmonien zarter
Töne: ein sattes Grün mit schimmerndem
Silbergrau, leuchtendes Orange mit Schwarz
und mattem Gelb, gedämpftes Blau und der
Purpurschein sterbenden Weinlaubs; eine bunte
Mannigfaltigkeit, die unsere Sehnsucht nach
Farbe erfüllt. Frau L. H. Dechent bevorzugt
für den Schmuck ihrer Dosen und Schalen
das Blumenmotiv, das in unserem modernen
Ornament neuerdings wieder eine so große
Rolle spielt, doch steht hier die technische
Ausführung noch nicht ganz auf der Höhe.
Paul Zeiller zeigt sich auch in seinen neuen
Arbeiten als der vortreffliche Tierbildner, der
Momente der Ruhe wie lebhafter Bewegung gleich
geschickt wiederzugeben weiß. Sein Vertrautsein
mit allen Eigenheiten der Porzellantechnik
verleiht seinen Figuren bei aller für die Porzellanmasse
gebotenen Stilisierung eine frische Natürlichkeit
, in der die Wesensart der Rasse gut
zum Ausdruck kommt. Daß solches Zusammenarbeiten
mit Künstlern auch auf die übrige Produktion
günstig einwirkt, lassen die eigenen Arbeiten
der Manufaktur erkennen, wie die unten
abgebildete Schale mit den munteren, auch in den
schimmernden Farben gut geratenen Entlein.
Ueber das Genrehafte solcher Arbeiten mag man
denken, wie man will. Wenn dem Begehren der
Menge in so guter und geschmackvoller Form genügt
wird, kann man sich dessen nur freuen, l. d.
PORZELLANSCHALE, NACH EIGENEM ENTWURF AUSGEFÜHRT
VON GEBR. METZLER & ORTLOFF, ILMENAU
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