Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 237
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von Anschauungswerten geläufig zu machen.
Dabei sieht er seine Mission vor allem
darin, die Individualität des Schülers zu
erkennen und ihn vor den Aufgabenkreis
zu bringen, an dem er seine besonderen
Fähigkeiten am natürlichsten zu entfalten
vermag. Er sucht das im Keim Schlummernde
zu wecken, um es stark und fruchtbar
zu machen. Er will, was wohl nicht
das einzige, aber doch ein gewichtiges Ziel
der Pädagogik ist, den Eleven hinlenken —
hinlenken zu dem eigentlichen Quell seiner
Fähigkeiten.

Adler selbst war der Erste, der sich
bei Debschitz und Obrist als Schüler
einschrieb. Die Kunstgewerbeschule, mit
dem, was sie damals einem jungen Mann
bieten konnte, lag bereits hinter ihm. Er
hätte wie andere auch anfangen, hätte mit
9 dem Gelernten hineinspringen können in
g> die Zeichenateliers oder das neue Kunstgewerbe
. Als ein bedächtiger und gewissenhafter
Charakter, der ihm und seinen
Arbeiten als Tugend verblieben ist, hat
er sich erst eine festere Grundlage sichern
wollen. Er hat in den „Vereinigten Werkstätten
" die Kühnheiten eines Obrist kennen
und hochschätzen gelernt und ist dem
Gerücht, daß dieser wahrhaftige Künstler mit
Debschitz demnächst eine Schule aufmachen
werde, spontan gefolgt. Er wollte in sich selbst
gleichartige Schaffenstriebe wecken. Der dekorativen
Kunst, der da eine Lehrstätte bereitet
werden sollte, wollte auch er sich verschreiben
. Man weiß, welch anregende Atmosphäre
diese Schule gerade in ihren Anfangsjahren um
sich zu breiten wußte, und man wird von die-
semWillen zur künstlerischen Leistung,
der da eingeimpft wurde, in dem Schaffen
Adlers den Abglanz leicht verspüren.

Man möchte öfters mit gleich großer Bestimmtheit
aussprechen, daß es in dem Schaffen
dieses Mannes keine Nebensächlichkeiten zu
geben scheint. Adler nimmt eine Aufgabe so
ernst wie die andere, formt an den kleinen
Dingen mit der gleichen hingebenden Aufopferungsfähigkeit
, mit der er sich für das
große Projekt einsetzt. Wir sind uns darüber
klar, daß darin das Entscheidende am Kunstwerk
nicht liegen kann, aber es ist kein Zweifel
, daß ohne solche Voraussetzung reife Lösungen
nicht zustande kommen Man betrachte
eine der Lampen, eines der jüdischen Kultgeräte
oder ein Adlersches Stoffmuster; immer
ist zu erfahren, daß hier ein Gestalter über
die bestmögliche Bewältigung seiner Aufgabe

FRIEDRICH ADLER KLEIDERSCHRANK
Ausführung in Zitronenholz: Wilhelm Sievers, Hamburg

nachgedacht hat, daß er sich klar geworden
ist, wie er Formerfähigkeiten mit den Bedingungen
des Zwecks, der Materialien und
der Techniken in Einklang zu bringen vermöchte
. So schwebt seine Ornamentik nicht
frei und willkürlich in der Luft, sondern scheint
organisch mit Objekt und Materie verbunden.

Von Adler, dem Ornamentiker, wird
man zunächst immer zu sprechen versucht
sein. Zweifellos gehört er ja in die Reihe
der wenigen, die einen Ehrgeiz darein setzen,
uns bei dem verzwickten Problem einer modernen
Ornamentik weiter zu bringen. Nach
dieser Richtung mag er wohl aus dem Debschitz-
kreis eine Erbschaft mitbekommen haben.
In den Jahren seiner Ausbildung stand ja
das Ringen mit der Fläche und um das Ornament
ganz im Vordergrund. Wie der Stuttgarter
Haustein, der ja wohl dem gleichen
Kreise angehörte, hat Adler, als der Nachdruck
auf andere, struktive Elemente gelegt wurde,
dieses Ziel nicht einfach aus den Augen gelassen
. Mit den meisten der Hamburger ist
er auf einen Weg gekommen, der von den
Wienern eingeschlagen war, und der in einer
gewiß besonderen Abart auch in Hamburg

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