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ARCH. PAUL MEBES-ZEHLENDORF
LANDHAUS HACKELOER-KÖBBINGHOFF IN DAHLEM
WOHNHAUSBAUTEN VON PAUL MEBES
Es ist oft und mit ausführlicher Begründung
ausgesprochen worden, daß das gegenwärtig
herrschende System unserer architektonischen
Erziehung unvollkommen und mit
schweren Mängeln behaftet sei. Die Architekturabteilungen
unserer polytechnischen Schulen,
so heißt es, bilden gewandte Zeichner, statt
räumlich denkende Baukünstler heran und beschweren
die jungen Eleven mit einem wissenschaftlich
-kritischen Apparat historischer Formen
, statt sie auf die lebendigen, natürlich
gegebenen Traditionen hinzuweisen. In der
Tat wird das Fehlen einer brauchbaren Ueber-
lieferung, deren der praktisch schaffende Architekt
nun einmal bedarf, von den modernen
Baukünstlern als ein bitterer Mangel empfunden
, und es wird von jedem Einzelnen immer
erneut der Versuch unternommen, für den
Umkreis der eigenen Tätigkeit dieses Manko
durch persönliche Auslese zu ersetzen. Er
bemerkt sehr bald, daß die Vielheit der erlernten
Formen und doktrinären Kompositionsregeln
ihn erdrückt und verwirrt, und daß
damit die produktive Kraft des räumlichen
Denkens und Gestaltens eher gehemmt, als gefördert
wird. Die Lehren der Akademie haben
ihm jeden Rest von Unbefangenheit gegenüber
den modernen Bauaufgaben geraubt; er ist
artistisch korrumpiert und fühlt sich arm in
all dem Reichtum des schulmäßig Erworbenen.
Was er braucht und sucht ist Ruhe und Sicherheit
des praktischen Arbeitens innerhalb einer
historisch gewordenen Form, ist Beschränkung
durch Auswahl des fruchtbarer Entwicklung
noch Fähigen.
Auf der Suche nach brauchbaren Traditionen
bot sich den Architekten, von welcher
Seite auch immer sie ihre Regenerationsversuche
unternommen haben, die großbürgerliche
Baukunst des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts
von selbst als Stilquelle dar. In den
klaren, ganz auf die Rechnung der Proportionen
gesetzten Wirkungen dieser schon ein wenig
verstandesmäßig influenzierten Baukunst fand
der mehr und mehr sich vertiefende Eklektizismus
eine ihm geistig verwandte Baugesinnung
. Und mit überraschender Ueberein-
stimmung, die mehr einem inneren Müssen als
blinder Willkür oder wechselnder Modelaune zu
entspringen scheint, ist der rationelle, jeder
Romantik abholde Bauwille der Gegenwart von
allen Seiten zu diesen Ueberlieferungen hingeleitet
worden, in denen zum letztenmal in
der deutschen Baukunst eine selbständige Bau-
Dekorative Kunst. XVI. 6. März 1913
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