Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 256
(PDF, 180 MB)
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ARCH. PAUL MEBES

HAUS HANSCHKE IN ZEHLENDORF

müssen, auf ein Motiv zu verzichten, das sich mit
den Ansprüchen der Praxis nicht ohne Preisgabe
seines künstlerischen Sinnes vereinbaren ließ.

Die großen und kleinen Landhäuser, die
Mebes in der Umgebung Berlins und in seinen
Vororten errichtet hat, lassen ihn als eine
derbe, biedere Handwerkernatur erkennen, der
9 immer da, wo er sein Akademikertum vergißt
e) und ohne jede artistische Prätention ehrlich
und schlicht der Sache dient, dem Erfolg am
nächsten kommt. Pose und Pathos stehen ihm
schlecht zu Gesicht, er fühlt sich am wohlsten,
wo er einfach und natürlich sein kann. Das
Repräsentative liegt ihm daher weniger als
das Bürgerlich-Behagliche. Im Vergleich mit
seinen verehrten Vorbildern steht er wohl der
derben Art des provinziellen Maurermeisters
näher als der verfeinerten Eleganz und gepflegten
Noblesse, die für den Kavalierarchitekten
des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts
charakteristisch ist. Er liebt die solide, werkmäßige
Arbeit; er bevorzugt einfache übersichtliche
Grundrisse, über denen sich ein
klarer Aufbau und eine technisch gesunde
Dachform entwickeln läßt. Bei der Raumanordnung
des Landhauses geht er von dem

zentralen Motiv der Diele oder Halle aus und
gruppiert um diese die einzelnen Zimmer: die
Wohnräume im Erdgeschoß, möglichst in unmittelbarer
Verbindung mit dem Garten, die
Schlafräume im Oberstock im Zusammenhang
mit den Ankleideräumen und der Badegelegenheit
. Er sorgt für sonnige Erkerplätze, für
geschützte Veranden und Loggien und schafft
an geeigneter Stelle balkonartige Ausbauten.
Die entscheidenden Anregungen gibt ihm nicht
die tendenzvoll sanitäre Anlage des englischen
Hauses, sondern die halbvergessene nationale
Bautradition, die in den zierlichen Landhausbauten
aus dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts
wirksam ist. So hat er einen modernen
, großstädtischen Wohngepflogenheiten
dienenden Landhaustyp entwickelt, der die Vorteile
des freien Lebens in ländlicher Umgebung
gewährt und zugleich die gesunden Ansprüche
an Komfort und hygienisch-technische Vollkommenheit
erfüllt.

Neben dem Problem des Eigenhausbaues
hat Mebes dann, als Architekt des Beamten-
Wohnungs-Vereins zu Berlin, die technischwirtschaftliche
Aufgabe zu lösen versucht, der
arbeitenden Großstadtbevölkerung brauchbare

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