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ARCH. PAUL MEBES □ LANDHAUS PROF. SCHMARJE IN ZEHLENDORF: STRASZENSEITE
sozialer Hinsicht sehr viel Gutes gewirkt; in
bautechnischer Beziehung hat er die Lösung
des Problems angedeutet, das die wirkungsvolle
Organisation der großstädtischen, auf die
Beschaffung von Massenwohnungen gerichteten
Bauunternehmung betrifft. Noch immer herrscht
heute — entgegen den zentralisierenden Organisationsprinzipien
in fast allen modernen
Betrieben — in der Wohnungsherstellung die altmodische
, handwerkerliche Art der Produktionsmethode
vor. „Fast nie", sagt Friedrich
Naumann in seiner Neudeutschen Wirtschaftspolitik
, „wird ein ganzer Block zwischen vier
Straßen von einer Firma übernommen und
nach einheitlichem Plan erbaut. Zehn, zwölf,
fünfzehn Bauunternehmer teilen sich in den
Fetzen Land. Jeder baut für sich Häuser,
obgleich diese Häuser völlig unpersönlich sind
und sich nur in gleichgültigen Dingen unterscheiden
. Es gibt nichts Spießbürgerlicheres,
als die Fortsetzung der alten Idee „Haus" in
eine Zeit hinein, wo das Haus als solches in
allen Mieterquartieren keine Einheit mehr ist.
Was heute abgeschlossen lebt, ist die Einzelwohnung
nicht das Haus."
Es liegt auf der Hand, daß sich für den
Produzenten wie für den Konsumenten, und
schließlich auch für die Allgemeinheit wesentliche
Vorteile aus der einheitlich bearbeiteten
Blockaufteilung ergeben müssen. In technischer
Hinsicht läßt sich, selbst unter dem
schweren Druck der herrschenden Bodenpolitik
, ohne wirtschaftliche Schädigung eine sachgemäße
Aufteilung und eine bedeutende Verbesserung
der Grundrisse durch günstigere
Orientierung der Einzelwohnungen nach den
Himmelsrichtungen erzielen, es läßt sich eine
Hofgemeinschaft mehrerer Nachbargrundstücke
und damit wenigstens in gewissen Grenzen
ein freierer Luftraum im Innern der Bau-
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