Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 283
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0344
walter schmarje-zehlendorf

Der Zug der Unrast, der Nervosität, des
flüchtigen Stimmungswechsels, der dem
modernen Leben anhaftet, findet auch seinen
Niederschlag in der Kunst. Es wird darauf
ankommen, ob sich unsere kunstgewerblicharchitektonische
Bewegung von ihm infizieren
läßt oder nicht. Sicherlich ist das Flüchtige
mit dem innersten Wesen der Architektur
unvereinbar. Sie hat das Stetige, Ruhige,
Dauernde zu eigen. Repräsentiert sie doch
in der durch Jahrtausende reichenden Tradition
ihrer Ausdrucksformen selbst gleichsam
das Ewige der Menschheitsgeschichte. In gewissem
Sinne ist ihr daher auch die in den anderen
Künsten heute herrschende impressionistische
Auffassung ungünstig. In der Malerei, in
der Literatur, zum Teil auch in der Bildhauerei,
vielleicht selbst noch in der Musik ist der
Impressionismus denkbar und hat sich Gebiete
erobert. Der Gedanke an eine impressionistische
Architektur
aber
wäre einfach
furchtbar. Denken
wir ihn
nicht aus!
Schon sind in
der Architektur
individualistische
Versuche
unternommen
, die uns
in Schrecken
versetzt haben,
wie sollten es
erst impressionistische
tun.
Wenn irgend
eine Kunst, so
strebt die Architektur
nach walter schmarje

baukeramik am haus wollenberg

dem Typischen. Nur hierin kann sie ihre Vollendung
finden. Allein durch das allseitige und stetige
Verfolgen desselben Zieles kann jene Tüchtigkeit
und unzweifelhafte Sicherheit zurückerobert
werden, die wir an den Leistungen vergangener
, in einheitlichen Bahnen marschierenden
Zeiten bewundern. Und das trifft bis zu
einem gewissen Grade auch auf die Malerei und
Bildhauerei zu. Es muß doch bedenklich stimmen
, daß die jetzt dort einsetzenden Bestrebungen
, zum Stil zurückzugelangen, sich nur mehr
in den Skalen des Lallens der Urvölker äußern.
Hier müssen große Verluste vorliegen, um den
Anfang ganz von vorn zu erklären. Die großen
Kunstzeiten hatten Stil ohne Archaismus. Und
das kam sicher daher, daß damals der Sinn für
das Rhythmische und Architektonische noch allseitig
lebendig war und das Schaffen der Menschen
beherrschte, während in neuerer Zeit den
Schwesterkünsten das Architektonische entzogen
worden ist,
das Semper als
den „legislatorischen
Rückhalt
" bezeichnet
, „dessen
keine andere
Kunst entbehren
kann".

SoistdieWie-
dergewinnung
einer architektonischen
Kultur
füralleKün-
ste die Grund-
bedingung,und
für einen Regest
nerationspro-
j|g| zeß überhaupt
mm die Grundlage.

h. muthesius

'1

bruckenpfeiler

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36*


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