Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 286
(PDF, 180 MB)
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DER PFLÜGENDE UND DER ERNTENDE

viele Nebenabsichten, dem glückhaften Schiff
seiner Phantasie und segelt unter flatternden
Wimpeln ins blaueste Traumland. Da gibt's
Wälder, deren Bäume schwer sind von Wunderblüten
, wo Vögel mit prächtig-phantastischem
Gefieder ihr Wesen treiben, und wo um glückliche
Liebespaare eine goldene Strahlengloriole
sich schlingt. Aber nicht das märchenhafte
Requisit ist der Träger des Wirksamen, sondern
die Stimmung, in der das Leben erschaut
ist.

Auf dem Blatte „Der Ackernde und der
Erntende" kommt von links herüber ein Pflüger
, rechts sitzt der Tod, der ruhig, ganz in
sich versunken, die Pfeife im zahnlosen Mund,
seine Sense dengelt. Und gerade dieses Blatt
wirkt durch seine strenge geschlossene Einheit
; es gibt da keine Staffage und keine Nebensächlichkeit
, jeder Strich dient der Gesamtwirkung
. Ganz ähnlich verhält es sich mit
dem Gemälde ,,Ein Schumannlied", wo sich
die Stimmung des Geigers in der ganzen Landschaft
widerspiegelt: Diese weitausschwingenden
Höhenzüge wirken wie Musik, wie starke
klingende Bogenstriche. (Abb. S. 285.)

Ueberhaupt ist die intimste Korrelation
zwischen der Landschaft und den dargestellten
Menschen für Staeger höchst charakteristisch
. Ein schönes Beispiel hierfür ist die
Zeichnung „Käthchen von Heilbronn". So
muß es Kleist gesehen haben, als er schrieb:
„Wohin sein Fuß im Laufe seiner Abenteuer
sich wendet, durch den Dampf der Klüfte,
durch die Wüste, die der Mittag versengt,
durch die Nacht verwachsener Wälder: wie
ein Hund, der von seines Herren Schweiß
gekostet, schreitet sie hinler ihm her." Und
dieser Riesenbaum, von Sturm und Wetter
zerfetzt, der sich dennoch in seiner knorrigen
Größe zum Himmel emporreckt, ist darin
nicht das ganze Wesen Kleists ausgesprochen,
wie es eben nur ein Künstlerauge sehen und
symbolisch fassen kann?

Vielleicht noch tiefer hat sich Staeger in
das Wesen Unlands hineinversenkt; dafür
zeugen ein paar prächtige und oft mit der
ganzen Inbrunst seines Gemütes empfundene
Blätter aus dem Uhlandwerk, das als Nr. 27
der Gerlachschen Jugendbücherei*) erschienen
ist. Die beiden Arbeiten auf Seite 288 sind
diesem Bändchen entnommen. Hier konnte

*) Für dieselbe Sammlung (Nr. 21) hat Staeger
auch eine ganze Reihe sehr origineller Schattenbilder
gezeichnet. Verlag Gerlach & Wiedling, Wien.

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