Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 290
(PDF, 180 MB)
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ferdinand staeger

der verschwimmenden
Ferne. Und dabei weiß
er unzählige Abstufungen
zu finden, vom
dunkelsten Schwarzzu
immer helleren Tönen,
die in einem punktierten
lichten Grau ihren
Abschluß finden, um
dann durch ausgesparte
weiße Flächen noch
eine weitere kräftige
Kontrastwirkungzu erzielen
.

Staegers Bedeutung
liegt in seiner Fähigkeit
, das Gefühlsmäßige
auf eigentümlich
fesselnde Art zum Ausdruck
zu bringen. Er
ist kein Experimentator
und kein undisziplinierter
Himmels'-
stürmer, sondern ein
stiller Künstler, wie es
in der Poesie etwa Eichendorff
oder Mörike
waren. Und oft hält
man eines seiner Blätter
in der Hand und
beginnt zu sinnen, weil

vor, daß er fast
auf alle Tiefenwirkung
verzichtet
; aber dann
schwelgt er im
Minutiösen und in
einerFiligrantech-
nik, die liebevoll
jedes Stück Großväterhausrat
tausendmal
umkreist
und über alle Dinge
kosend streicht.
Auch sonst ist er
groß in der Behandlung
des Details
: das Laub,
das seine Feder in
allen Variationen
wiedergibt, ist
bald struppig, bald
schmiegsam, bald
strähnig und im
Vordergrund ebenso
überzeugend
erschaut wie in

ÄIL___

ferdinand staeger

geburtsanzeige

besuchskarten

aus ihm dieselbe Musik
heraustönt, die in alten
Volksliedern klingt,
die in deutschen Wäldern
und Strömen
rauscht, dieselbe Musik
, welche in uns selber
anhebt, wenn ein
tiefer Mensch uns seinen
Herzensreichtum
behutsam in die Hände
legt.

Wie schön wäre es,
diesen sympathischen
Künstler wieder an die
Heimat zu fesseln und
ihm dort Aufgaben zuzuweisen
, die seiner In-
dividualität und Eigenart
entsprechen würden
. Aber bei uns ist
man's leider nicht gewohnt
, Talente zu zählen
oder gar zu wägen:
wer sich nicht behaupten
kann, der wandere
aus und mit dem Heimweh
muß ein braver
Oesterreicher schließlich
auch fertig werden!
Ulrik Brendel- Wien

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