Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 302
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EMIL ORLIK-BERLIN B SCHILLER, „DIE RÄUBER", SAAL IM SCHLOSSE MOORS

Deutsches Theater, Berlin

aufdringlich zu werden, das Wort oder gar die
Musik zu ersticken. So kann man die Aeuße-
rung bühnenferner Dichter, wie Stefan Georges
, verstehen, wenn er sagt: „Alle diese Anstrengungen
des Bühnenleiters, Malers und
Darstellers dienen nur dazu, die Aufmerksamkeit
auf Nebendinge zu schieben und des
Dramas wahre Bedeutung in Vergessenheit
zu bringen." Niemals darf die Bühnenoptik
die Oberhand gewinnen, denn der akustische
Ausdruck unterscheidet Bühne und Film.
Die technischen und künstlerischen Fortschritte
ermöglichen heute, die optische Bildgestaltung
der Dichtung wirkungsvoll und
doch nicht aufdringlich und materiell zu fassen
. Eine einheitliche Rhythmisierung schauspielerischer
Gebärden und bildnerischer Formen
ist die hohe Aufgabe des Regisseurs,
dem es gewissermaßen anheimgegeben ist,
den Ausgleich zwischen Wort und Bild zu
schaffen, ihre äußere und innere Balance zu
bewahren.

Die neue Bühnenreform hat sich im Laufe
des letzten Jahrzehnts Bahn gebrochen durch
die gemeinsame Arbeit der Bühnenleiter und
der bildenden Künstler.

III. DIE NEUE BÜHNENBILDKUNST

Der Künstler trat in ein neues Verhältnis
zur Bühne, für das ein paragraphenmäßiger
Vertrag nicht fixiert ist, das aber immerhin
von selbst auf die „faire" Art des Künstlers,
seinen Respekt vor dem Dichler des Wortes,
rechnet. Jedenfalls ist es nicht mehr angängig,
in jenem scharf abweisenden Ton über das moderne
Theater zu sprechen, wie Anselm Feuerbach
das tat, als er schrieb: „Ich hasse das
moderne Theater, weil ich scharfe Augen habe
und über Pappendeckel und Schminke nicht
hinauskomme. Ich hasse den Dekorationsunfug
mit allem, was dazu gehört, vom Grund meiner
Seele. Er verdirbt das Publikum, verscheucht
den letzten Rest von Kunstgefühl und erzeugt
den Barbarismus des Geschmacks, von dem
die Kunst sich abwendet und den Staub von
ihren Füßen schüttelt." Das mochte für die
Prunkdekorationen der Brücknerschen Opern-
Inszenierungen oder Doeplers Inszenierung der
Königsdramen (1867 beim Wartburgfest) zutreffen
und auch die Schattenseiten der Nachläufer
der Meininger treffen; für die Arbeit der Mo-

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dernen hat das Urteil seine Gültigkeit eingebüßt.

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