Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 304
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0365
Oesterreichisches Theater-Kostüm- und Dekorations-Atelier, G.m.b.H., Wien

Nun ist zum ersten Male — in Mannheim
*) — eine Kunstschau vereinigt, die
einen Ueberblick über die neue Bühnenbildkunst
gestattet. Einzelne Ansätze dafür gab
es bereits. Auf der internationalen Ausstellung
für Musik und Theaterwesen (Wien 1892) sah
man Bühnendekorationen, Entwürfe usw. indes
vorwiegend vom theatergeschichtlichen Standpunkt
zusammengestellt. Und auch die Theaterausstellung
in Berlin in den Ausstellungshallen
am Zoo (1910) brachte das rein Künstlerische
nicht überzeugend zum Ausdruck, erstickte es
durch Geschichtliches und Anekdotisches. Auf
der Kunstschau in Wien 1908 gab es eine
Abteilung Theaterkunst, die sich bei ihrem
lokalen Charakter natürlich auf Wiener Arbeiten
beschränkte. Erst die Mannheimer Theaterkunstschau
bietet einen umfassenden Einblick
in die gesamte deutsche Bühnenkunst; dem ausgestellten
Material sind die Illustrationen dieser
Ausführungen entnommen.

Unter den für die Bühne tätigen Künstlern
mag man unterscheiden zwischen Gelegenheitskünstlern
, die hie und da einmal ihre Kunst
in den Dienst der Bühne stellen, und jenen
Bühnenkünstlern — dem zeitgemäßen Typ —,
die ihre Kräfte fast ausschließlich der Bühne
widmen. Jene Servandosi, Bibiena, Schinkel
sind die Vorläufer der Gelegenheitsbühnenkünstler
. Im 19.Jahrhundert sind große Künst-

*) Ausstellung moderner Theaterkunst. 13. Ausstellung
des Freien Bundes in der Kunsthalle zu
Mannheim. Januar bis Anfang März 1913.

lernicht selten ihrem Beispielegefolgt. Schwind
schuf Figurinen zu Raimunds „Das Mädchen
aus der Feenwelt oder der Bauer als Millionär",
Entwürfe zu Grillparzers „Weh dem, der lügt"
und Mozarts „Don Juan". Böcklin sollte
von Wagner gewonnen werden, entzog sich
aber mit aller Energie dem Angebot, da seine
starke Persönlichkeit nicht eine Kunst in den
Dienst einer anderen stellen konnte. Thoma
schuf für Bayreuth Figurinen zur Neuausstattung
des Nibelungenringes, und neuerdings haben
selbst impressionistische Künstler Anregungen
zu Bühnendekorationen gegeben. Corinth wirkte
mit Kruse bei Reinhardts berühmter Salome-
Aufführung mit und stattete dann „Minna
von Barnhelm" aus. Slevogt entwarf Bühnenbilder
zu den „Lustigen Weibern von Wind-
sor" und Hauptmanns „Florian Geyer". Und
im letzten Jahre hat M. Liebermann sich
hinreißen lassen zu Skizzen für die Lauchstädter
Aufführung von „Gabriel Schillings
Flucht". L. v. Hofmann gab eindrucksstarke
Skizzen für Maeterlincks „Aglavaine und
Selysette"; Edvard Münch schuf Skizzen
für Ibsens „Gespenster" von einer unheimlich
suggestiven Kraft. Was indes diese Künstler
in ihren Entwürfen gaben, konnte nicht mehr
sein als eine stimmungsstarke Anregung, die
der Regisseur für die Bühnenaufführung verwerten
, nicht aber direkt benutzen konnte.
Auch Khnopffs in mystischen Schimmer getauchte
Bilder für Rodenbachs „Die tote Stadt",
die er für das Lessingtheater Brahms schuf,

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