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ottomar starke-frankfurt a. m.
oder Gulbranssons genial karikierende Figurinen
für Roda Roda - Meyrincks „Die
Sklavin von Rhodos" liegen weit ab von einer
bühnenmöglichen Ausführung. Mit stärkerem
praktischen Instinkt bemühte sich Peter
Behrens um die Reform der Bühne; mit
Dehmel zusammen entwarf er einen Plan zur
Aufführung der „Lebensmesse", arrangierte in
Hagen eine Aufführung des Hartlebenschen
„Diogenes" und gab Anweisungen für den
„Hamlet" des Düsseldorfer Schauspielhauses.
Die stärkste Wirkung auf die Neugestaltung
des Bühnenbildes haben indes Adolphe Appia
und Gordon Craig ausgeübt. Appias Par-
sival- und Nibelungenentwürfe enthalten in
ihrer monumental-vereinfachten Räumlichkeit,
für die das Licht in seiner vollen Bedeutung
ausgenutzt ist, eine stimmungsstarke Wirkung,
die von keinem der nachfolgenden Wagner-
inszenierer auch nur annähernd erreicht wurde.
Von Craig sieht man auf der Ausstellung ein
Bühnenbild zu Hofmannsthals „Gerettetem
Venedig", das er noch für Brahm im Lessingtheater
inszenierte : der silhouettenhaft strenge
Stilcharakter, die gespenstige Gliederung in
Licht und Schatten, die in starkes Blau getauchte
Farbigkeit sprechen eindringlich aus dem
Bilde. In dem Radierungszyklus „Towards a
new theatre" sind besonders die architektonischen
und Lichtwirkungen überraschend. Man
findet auch ein Blatt des Stanislavskyschen
„Hamlet", die Terrasse, weit abseits von dem
üblichen Bühnenbild und nur im Stimmungsgehalt
, dem Abwägen von Raum und Mensch,
dem Inhalte des Stückes adäquat. Eine der
SHAKESPEARE, „JULIUS CÄSAR"; IM ZELT DES BRUTUS
bedeutsamsten Aufführungen Stanislavskys von
strengstem symbolisierenden Stilcharakter ist
Maeterlincks „Blauer Vogel"; V. E. Egorof
lieferte die Entwürfe. Neben ihm sind Oulianov
und Stimow an der künstlerischen Mitarbeit
beteiligt. In dem Verlaufe eines Jahrzehnts
(1898 — 1908) wurden in Moskau Ibsen,
Tschechow, Hauptmann, Gorki, Maeterlinck und
Hofmannsthal aufgeführt. 1906 gab das Moskauer
Künstlertheater seine berühmten Gastspiele
in Berlin, wo es einen tiefen nachhaltigen
Eindruck hinterließ. Hier arbeitet Reinhardt
mit zäher Konsequenz an einer stilmäßigen
Durcharbeitung seiner Stücke.
Orlik gab Entwürfe für Shakespeares „Kaufmann
von Venedig", „Wintermärchen" und
Schillers „Räuber". Seine Bühnenbilder für
das „Wintermärchen" treffen den zwiespaltigen
Charakter des Stückes stilsicher; in burlesken
Szenen polternde Farbigkeit, in pathetischen
Szenen vereinfachte, monumentale Architektur:
Leontes steht vor dem rauschenden grünen
Vorhang in feierlicher Tracht; ein breiter,
kräftig roter Teppich läuft die Stufen langsam
hinan. Bühnentechnisch bedeuten seine Entwürfe
zu den „Räubern" wahre Prachtstücke;
bei den Figurinen interessiert das Eingehen
und Mitberechnen der charakteristischen Bewegungen
und Gesten der Schauspieler. (Z. B.
Moissi als Franz Moor.) Besonders wirksam
ist jenes Bild, auf dem vom Saale des alten
Moor ein tiefer, schmaler Korridor nach hinten
läuft, der die Stimmung des alten Schlosses
so stark in uns erweckt (Abb. S. 302).
Den modernen Typ des Bühnenkünstlers
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