Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 309
(PDF, 180 MB)
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repräsentiert am reinsten Ernst Stern, der
seit einigen Jahren dem Deutschen Theater
markige Charakterzüge seines künstlerischen
Gesichtes verleiht. Ob Stern das Pathos eines
Shakespeareschen Dramas, das Burleske einer
Komödie Molieres oder das Exotisch-Prächtige
einer Vollmöllerschen Pantomime gibt,
stets schafft er Bühnenbilder und Figurinen
von der gleichen künstlerischen Durchdringung
und Beseelung, wie sie die Stücke selbst vermitteln
. Er ist auf der Mannheimer Ausstellung
wirksam vertreten; neben Entwürfen zu Shakespeares
„Viel Lärm um Nichts" (Abb. S.307),
solche für Vollmöllers „Mirakel", neben Entwürfen
für Molieres „Georges Dandin" (Abb.
S.31 l),solchefürStrauß-Hofmannsthals„ Ariadne
auf Naxos" (Abb. S. 310). Einige Bühnenbilder
zur Ariadne werden in Modellen vorgeführt,
desgleichen die Drehbühnenmodelle zu Heinrich
IV. und „Viel Lärm um Nichts", die
Sterns bühnen technische Vorzüge klar erkennen
lassen. Der Zusammenklang von Mensch und
Architekten wirkt besonders eindringlich bei
den Entwürfen zu „Viel Lärm um Nichts".

Seiner „kernigen Liniendynamik" steht die
sentimentale Artistik Karl Walsers gegenüber
, der robusten Art Sterns die zierliche
Rokokograzie Walsers. Es ist amüsant zu
sehen, wie Stern die komische Geste der

„Schönen Helena", Walser die romantische Art
von „Hofmanns Erzählungen" zum Ausdruck
bringt. Das Prickelnde, Spukhafte hat Walser
am besten in Bildern zu Nestroys „Einen Jux
will er sich machen" getroffen, seine reich
sprudelnde Farbenphantasie hat in den Kostümen
zur „Carmen" und „Figaros Hochzeit"
ihren Ausdruck gefunden.

Eine reiche Wirksamkeit als Bühnenkünstler
hat Alfred Roller entfaltet; er schuf
für Reinhardt die berühmte Faustinszenierung,
„Oedipus" und „Jedermann", gab Entwürfe zum
„Figaro", „Don Giovanni", zur „Zauberflöte"
und zur „Salome". Am wenigsten gelungen
sind seine Bühnenbilder für den „Rosenkavalier
", wenngleich auch hier unter den
Figurinen farbig und linear reife Blätter sind.
Czeschka illustrierte „König Lear" mit einer
stark ornamentalen Geste und entwarf Skizzen
zu Hebbels „Nibelungen". Heinrich Lefler
schuf stimmungsvolle Entwürfe zu Maeterlincks
„Der Blaue Vogel" und „Pelleas und Meli-
sande" (Abb. S. 304), sein Bestes aber gibt
er in den subtil durchgearbeiteten Figurinen,
von denen diejenigen zu Vollmöllers „Mirakel"
(Abb. S. 300 u. 301) in ihrer farbigen Pracht
den reichsten Eindruck machen. Solche zu
Verdis „Aida", E. Hardts „Gudrun", Molieres
„Bürger als Edelmann" (welcher Abstand zu

J L. F. GRAF-WIEN BEETHOVEN, „FIDELIO", III. AKT

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