http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0379
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ARCH. ALBERT GESSNER
allerlei Namen, die vielleicht mehr als die
Schaubilder selbst besagen. „Birkengrund"
und „Glänzehang" sind derlei Bezeichnungen,
die dem Ort die Signatur geben. Das Kinderschlafzimmer
mit den drei Bettchen nebeneinander
, den drei Fensterchen, den drei Waschgeschirren
mutet wie eine Wirklichkeit gewordene
Illustration zum Schneewittchen an.
Und diese Stimmung des Innigen und Sinnigen
scheint durch das ganze Anwesen zu surren.
Es ist Poesie, die da Gestalt annehmen wollte;
es ist die Schwindseele, die sich in ein
Häuschen und ein Gärtchen projiziert hat.
Es ist — natürlich — kein großer und kein gewichtiger
Bau, keiner, in dem Geßner etwas
Besonderes erreichen wollte. Bei den bescheidenen
Mitteln, mit denen da gewirtschaftet
werden sollte, wäre auch gar nicht die Möglichkeit
gewesen, etwas Ungewöhnliches anzustreben
. Und doch verlohnt
es sich, die Anlage, die im
einzelnen von dem „Werkhaus
" ausgeführt worden ist,
näher zu betrachten. Wie in
jedem Haus, das ein Architekt
für sich baut, steckt für
die Person des Erbauers etwas
Charakteristisches darin.
Es lehrt den Architekten
wie den Menschen besser
kennen.
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Die Lage für das Haus
war ohne weiteres gegeben.
Das verzwickelte Grundstück
machte die Errichtung
an dem Knick des Geländes
zur Notwendigkeit. Allerdings
bot das steil abfallende
Ufer Schwierigkeiten, die
durch Aufschütten überwunden
werden mußten. Der
schmale Zipfel nach der
Landseite zu gibt Raum für
einen schmal gestreckten,
oval verlaufenden Rasenplatz
. Er hat Dimensionen,
die gelegentlich einmal die
Umwandlung in einen Tennisplatz
ermöglichen. Und
wenn die Birken ausgewachsen
sind, dann wird
eine kleine Naturbühne entstanden
sein, deren Mittelloge
die Vorhalle der Hausdiele
wäre. Hinter diesem
Birkengrund liegt das Gärtnerhaus
gegenüber dem bei
solchem Seegrundstück ja weniger wichtigen
Landeingang. Auf der anderen Seite ist an
das Wirtschaftshaus anschließend ein Küchengarten
entstanden. Der Seezugang ist durch
ein Boothaus betont, neben dem eine alte Weide
erhalten worden ist. Da der Blick ins Freie
vor allem gewahrt bleiben sollte, haben die
Kompartimente zwischen Wasser und Haus eine
niedrig gehaltene Bepflanzung erhalten. Richtige
Blumenwiesen mit Gräsern und einheimischen
Pflanzen dehnen sich da, in denen als
Pointen für später ein Vogelbrünnchen, eine
Sonnenuhr oder dergleichen vorgesehen sind.
Den Abschluß nach dem Nachbargrundstück
bildet ein Rosengang, während auf der anderen
Seite ein Obstgarten angelegt worden ist. Nach
der Havel zu macht den Beschluß der „Glänzehang
", an dem es von Blumen und Blüten
glänzen soll. Also eine Anlage, wie sie sich
HAUSEINGANG
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