http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0385
Gegenseite sind Fremden- und Fräuleinzimmer
untergebracht. Dem Elternschlafzimmer vorgelagert
ist der Baderaum, ein langes Rechteck
, das zugleich als Durchgangsraum benutzbar
ist. Man sieht eine gewollte Primitivität, wie
sie dem Sommerhaus angemessen ist. Man
denkt bei Betrachtung der Anlage zunächst
nicht an den Architekten, geschweige denn an
einen Künstler, sondern an den sommerlichen
Landaufenthalt, den man gern auch noch primitiver
genießen würde.
Daß Geßner solch einfachen Absichten
aparte Form gegeben hat, versteht sich für
den, der seine Stadt- und Landhausbauten
kennt, wohl von selbst. Ruhig in der Masse,
schlicht und gefällig in der Kontur, etwas lebhaft
nur durch die Farbe steht das Häuschen gemütlich
in der Landschaft. Die Gunst der Lage ist,
wie der Blick nach der Pfaueninsel (erste
Beilage) zeigt, mit Geschick genutzt. Leider
stört in der Abbildung der viel zu stark in
die Augen springende Zaun, der in kurzer
Zeit natürlich vollständig überwachsen und
damit im Bild verschwunden sein dürfte. Das
Gebäude hat ganz die saubere, harmlose Gefälligkeit
, die an Geßner allgemein geschätzt
wird. Er entspricht hier, wo es ja auch weder
möglich noch angebracht gewesen wäre, über
sich hinauszugreifen, vollkommen seiner Art.
Einer Art, der, wie man sagen muß, das
Ländliche und Idyllische solcher Anlage besonders
liegt.
Im Innern spürt man denselben Geist walten.
Das Mobiliar ist auf ein Minimum beschränkt.
Alles, was nur irgend anging, wurde eingebaut.
Alte Möbel, die Geßner schon lange im Besitz
hatte, und die im Wesen nicht anders sind als
die Geräte, die er heute entwirft, wurden, ohne
daß es zu merken wäre, verwandt. Auch das
wäre charakteristisch für Geßner, daß er in
Form und Handschrift sich
von seinen Anfängen bis
heute treu geblieben ist.
Sprunghaft und unvermittelt
nebeneinander gibt es hier
nicht einen Jahrgang 1906,
einen Jahrgang 1910, 1912
und so fort. Es ist wahrscheinlich
nicht jedermanns
Art, aber es ist eine eigene
Art, die in sich Genüge zu
finden weiß, die reich an
kleinen Reizen ist und keinen
Grund sieht, mit diesen
Reizen zu kargen. Es ist
in den Geßner-Möbeln mo- (
derne Gesinnung, aber noch |
mehr ist in ihnen die alte |
Besinnlichkeit, ich meine I
jene Freude an der Farbig- I
keit, an dekorativen Details,
an spielerisch anmutenden
Nettigkeiten und Gemütlichkeiten
, die das verindu-
striealisierte Handwerk der |
Städte am ehesten eingebüßt i
hat. Wenn er in der Garten- i
halle den Rahmen, der den i
Ausblick ins Freie ab- 1
schließt, mit nichts anderem
schmückt als jenen Leuchterengelchen
, die als reizvolle ,
Erzeugnisse des alten erz- (
gebirgischen Holzschnitzer- |
handwerkes ihren Wert noch |
immer behalten haben, so ist I
das eben so ein Stück seiner i
ARCH. ALBERT GESSNER n LANDUNGSPLATZ MIT BOOTHAUS UND LAUBE Selbst wie die Stoffe, die er j
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