http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0393
Sanitäre Anlagen im Hause. — Es ist bei
uns Mode geworden, überall im Hause feste
Waschbecken anzubringen. Man betrachtet es
als die Vollendung der Bequemlichkeit, solche
feste Waschbecken mit Wasserzu- und Abfluß
in den Schlafzimmern zu haben. Ein einfaches
Nachdenken müßte nun aber jeden darüber
belehren, daß es gesundheitlich höchst bedenklich
ist, einen Wasserabfluß im Zimmer
zu haben, durch den auf kürzestem Wege eine
Verbindung mit der Abortgrube oder den
Kanalisationsröhren hergestellt werden kann.
Die ganze Sicherheit liegt in dem sogenannten
Wasserverschlusse, dessen geringe Wasserhöhe
die einzige Abtrennung von dem mit gesundheitsgefährlichen
Gasen gefüllten Netze der
Abflußröhren ist. Die Wasserschicht, die in
dem kleinen U-förmig gebogenen Bleirohr den
Abschluß herbeiführt, wird aber, was jedem
Gesundheitstechniker bekannt ist, mit Leichtigkeit
zerrissen, zum Beispiel sehr häufig dann,
Aus „Landhaus und Garten", II. Auflage.
wrenn aus einem oberen Stockwerk Wasser
abgelassen wird. Die Verdünnung der Luft,
die im Hauptabflußrohr dem herunterfallenden
Wasser folgt, bewirkt sehr oft ein Absaugen
des Wasserverschlusses, wodurch sofort jene
direkte Verbindung mit der Grube hergestellt
ist. In Schlaf- und besonders in Fremdenzimmern
wird diese Verbindung auch dann
herbeigeführt, wenn die Zimmer eine Zeitlang
nicht benutzt werden und der Wasserverschluß
verdunstet. Es ist also klar ersichtlich, daß
es vom Gesundheitsstandpunkte aus durchaus
verwerflich ist, feste Waschbecken in Wohn-
und Schlafräumen anzulegen. Das feste Waschbecken
gehört ins Badezimmer, in die Kleiderablage
, in den Abort, höchstens ist es noch
im Ankleidezimmer zu dulden (obgleich es
auch hier schon seine Bedenken hat), aus den
zum dauernden Aufenthalt von Menschen dienenden
Räumen aber ist es unter allen Umständen
zu verbannen. Hermann Muthesius
Verlag F. Bruckmann A. G., München
) ARCH. ALBERT GESSNER HAUS GUCKEGÖNNE: BAD (
i Ausführung: „Werkhaus", Charlottenburg )
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