Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 331
(PDF, 180 MB)
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!

Und doch hat es nie eine
falschere Pathetik gegeben.
Und doch war diese Verdammnis
eines mißbrauchten
Materials eine Donquicho-
terie, über die die Zeit nun
hohnlächelnd hinwegzugehen
scheint.

Man verstehe mich nicht
falsch. Nichts liegt mir ferner
als für den Stuck zu plädieren
, der nichts als Surrogat
und Imitation sein will.
Stuck als Marmorimitation,
das wird für immerdar ein
Greuel bleiben. Aber Stuck
als Stuck, als ein bildsamer
, nach dem Antragen
erhärtenderGips-
brei, der einem Künstlergeist
in plastischen Formen
zu phantasieren erlaubt —
das scheint doch nicht ganz
dasselbe.

Die ganze Wirrnis rührt
zweifellos von dem
Schlagwort der Mate-
rial-Aesthetik her. Von
einem unhaltbaren, unsinnigen
Schlagwort, denn es ist
immer der schöpferische
Mensch und niemals
der tote Stoff, der
die große Form gibt. Auf die
Fähigkeit des Gestalters und
nicht auf die Kostbarkeit des
Materials kommt es letzten
Endes an. Aus ganz gewöhnlichem
gebrannten Ton hat
die Antike in ihren Terrakotten
unvergängliche Kunstwerke
geschaffen. Man betrachte
das winzigste dieser
Stücke neben dem gleißenden
Marmor der Berliner Siegesallee
. Wer hat da noch den
Mut,vonminderwertigemMa-
terial zu reden? Es gibt keinen
von Natur aus minderwertigen
Rohstoff,nur billigere und
kostspieligere. Linoleum ist
der Parkettfläche gegenüber
nur minderwertig, wenn ein
unsinniger Fabrikant den Versuch
gemacht hat, auf ihm
eine Parkettmusterung vorzutäuschen
. Es gibt Fälle,
in denen der Linoleumbelag

JUNGFRAU VON ORLEANS

FLORSTICKEREIEN □ NACH ENTWÜRFEN ERNST AUFSEESERS AUSGEFÜHRT
VON FRAU KATHLEEN J. AUFSEESER-DÜSSELDORF

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