http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0397
q)
ernst aufseeser-düsseldorf^Q march en-
bilder für kinderstuben
dem kostbareren Parkett unbedingt vorgezogen
wird: das Kaufmannsbureau, die Krankenhalle
des Sanatoriums, das Kaffeehaus, das nach dem
buntgemusterten Fußboden verlangt.
DerWitz ist eben der, daß es unfähige
Menschen gibt, die ein Material verkennen
, es unsinnigen Prozeduren
aussetzen und es durch solche Prostitution
gemein machen. Natürlich kann
ein genialer Mensch aus einem nichtigen Stoff
ein geniales Werk machen, aber er kann die
Struktur eines Stoffes nicht verändern; aus
ihrer Gesetzlichkeit muß er seine Form entwickeln
. Silberfiligranformen aus Granit zu
meißeln,wird dem Geschicktesten nichtgelingen.
Es wäre geradeso als wenn einer, weil man
Goldstücke im Tiegel schmelzen kann, Hundertmarkscheine
in den Schmelztiegel werfen
wollte. Das spräche aber noch lange nicht dagegen
, daß ein Behrens, ein Ehmcke oder sonst
einer heute einmal Hundertmarkscheine zu entwerfen
bekäme und mit ihnen Kunstwerke zustande
brächte, die an künstlerischem Wert
unsere Goldmünzen um ein ganz Beträchtliches
überragten.
Also nicht auf den Stoff, auf den formenden
Menschen kommt es an.
Also nicht gegen den Stuck, sondern gegen
die heil - und kunstlosen Stukkateure
war zu kämpfen. Aus ihnen erfinderische
und schöpferische Künstler zu machen, wäre
das richtigere. In diesen Heften waren vor ein
paar Monaten Stuckdecken von Pankok abgebildet
*). Wo gibt es die Material- und Zweckmäßigkeitsästhetik
, die den Mut hätte, solch
unzweifelhafte Werte abzulehnen? Woraus zu
ersehen ist, daß keineswegs der Stuck, sondern
der Pankok in dieser Sache das Entscheidende
ist. Das war auch Burckhards
Meinung, als er angesichts der überwältigenden
Stuckdecken des Pietro da Cortona schrieb:
„Wenn diese ganze Dekorationsweise ein Irrtum
ist, wird wohl nie ein Künstler mit größerer
Sicherheit geirrt haben." Paul Westheim
*) Vgl.Novemberheft 1912, Seite71—75,92,97,101,104.
NOTIZ
Die beiden auf den Seiten 285 und 287 unseres
Märzheftes reproduzierten Arbeiten von
Ferdinand Staeger: „Ein Schumann-Lied" und
„Käthchen von Heilbronn" sind Eigentum der
Münchner „Jugend" und wurden uns von ihr
für diesen Aufsatz zum einmaligen Abdruck
überlassen. Da dies infolge eines bedauerlichen
Versehens unter den Abbildungen nicht
gesagt wurde, tragen wir es hiermit nach.
e. aufseeser-
düsseldorf
marchenbild
„lumpengesindel
"
332
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0397