http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0403
RICHARD RIEMERSCHMID
SPEISEZIMMER
Ausführung: Deutsche Werkstätten, Hellerau bei Dresden
menschliche Repräsentanten aber sich in der
Tretmühle des Massenbetriebes völlig entfremdet
werden. Der Mensch ist zur Maschine
erniedrigt, schlimmer noch, zu einem Bruchteil
der Maschine. „Er muß seine Gliedmaßen
zu Treibriemen, Gradmessern und Feilen
machen und seine ganze Energie auf genaue
Ausführung der Einzelteile richten. . ." Verdient
diese seelenmordende Automatik denn
noch den Namen Arbeit? „Die höhere oder
niedere Gattung der Arbeit bemißt sich darnach
, ob Intellekt und Seele soweit daran
beteiligt sind, daß sie mit der physischen
Anstrengung im Einklang stehen. Denn Arbeit
an sich ist der Kampf des Menschenlebens
mit einem Gegner, in dem Verstand, Herz
und physische Kraft mit Unsicherheit des Erfolges
, mit Versuchungen und materiellen
Widerständen ringen."
Das praktische Ergebnis dieser und ähnlicher
Gedankengänge war in England die Kunst
von William Morris und seinem Kreis, der
gewerbliche Präraphaelismus. Die Freude an
der Arbeit, von Ruskin als das höchste der
Güter gepriesen, die jede soziale Tätigkeit zu
schaffen verpflichtet sei, sie lebte, blühte und
leuchtete in den Schöpfungen dieses einzigartigen
Künstlers und Organisators. Morris hat
seinem Lande zweierlei geschenkt: ein neues
Gefühl für den Sinn und die Schönheit des
Materials und eine neue Formenwelt. Das
wahre Antlitz aber dieser Schönheit schautnicht
nach den rauchenden Essen der Industriestädte,
nicht nach den stampfenden und schwirrenden
Maschinen der Fabriksäle, nicht nach den
monotonen Reihenhäusern der Arbeiter. Es
blickt in die blauen Fernen einer formenfrohen
Vergangenheit, in die stolzen Hallen, die vertäfelten
Stuben der Vorfahren, wo ein gemessenes
Tempo den Ablauf des Schaffens und
des Genusses bestimmte. Es heißt nicht soziale
Ethik, sondern idealistische Romantik.
Wir können heute die Bewegung, deren Fanfaren
weithin über den Kontinent klangen, aus
dem Bilde der englischen Gegenwarts-Kultur
nicht wegdenken. Aber wir müssen uns darüber
klar sein, daß die wirtschaftliche Macht dieses
Herrschervolkes ihren Wagen nicht an diesen
Zügeln lenkt. Auf dem Turm von Kohle und
Eisen, der ihn belastet, liegt ein bunter Kranz
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