Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 339
(PDF, 180 MB)
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KARL BERTSCH

SPEISEZIMMER

Ausführung: Deutsche Werkstätten, Hellerau bei Dresden

von zartem Duft und reizender farbiger Harmonie
, nicht von schwieliger Hand gewunden,
aber in Feierstunden auch von nüchternen
Businessmen gern gesehen: die englische
Handwerkskunst.

Wozu diese ganze geschichtliche Rekapitulation
einer Ereignisreihe, die wir heute so
gern als erledigt behandeln? Wenn wir heute
den Sieg des germanischen Formwillens über
die jahrhundertelange Herrschaft des Romanismus
erleben, so gilt es zu scheiden, wie groß
der Anteil unserer insularen Stammesgenossen
an diesem Triumph ist. In zwei Worte gefaßt:
England hat zuerst den Blick auf den inneren
Zwiespalt zwischen dem Erfinden und dem
Schaffen in unseren kunstgewerblichen Industrien
gelenkt. Aber die Brücke zu schlagen
vo-i dem ästhetischen Verlangen zu dem In-
dustrialismus, von der individuellen Ausdruckskunst
zu dem Universalismus des Massenbetriebes
— das ist ihm, trotz aller Glut und
Reinheit seines Strebens, trotz aller Teilnahme
der Gebildeten seines Volkes, dennoch versagt
geblieben. Hier hebt Deutschlands Rolle an.
Wir haben uns die Erkenntnis, daß das neue

Kunstgewerbe nur Großbetriebsgewerbe sein
kann, schwer genug errungen. Die einzelnen
Phasen dieses Kampfes decken sich mit eben-
sovielen in dem Bemühen unserer Künstler,
die Formen zu schaffen, in die sich die neue
Ueberzeugung von der Notwendigkeit eines
zeitgemäßen Komplexes von Wohnungstypen
hineinfinden kann. Die „Deutschen Werkstätten
für Handwerkskunst", die in der selbstgeschaffenen
Gartenstadt Hellerau auf einem ungewöhnlich
klug und kräftig kultivierten Boden
stehen, haben an dieser Arbeit führenden Anteil
. Man erinnert sich der Maschinenmöbel,
die vor sieben Jahren auf der Dresdner Kunstgewerbeausstellung
zu sehen waren, als eines
kühnen Vorstoßes in das Reich des industrialisierten
Tischlerhandwerks. Von der technischen
Spezialidee, dem Verschrauben der
Einzelteile, haben die Erfahrungen der Praxis
wieder abgelenkt. Nicht so von dem Bewußtsein
, daß eine Typisierung des Gebrauchsgegenstandes
durch die Art unseres wirtschaftlichen
und sozialen Gesamtorganismus geboten
ist. Daß aber diese Typisierung nur dann
mit dem Verlangen nach dem höchsten Maß

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