Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 342
(PDF, 180 MB)
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R. RIEMERSCHMID

Ausführung: Deutsche Werkstätten, Hellerau bei Dresden

KOCH EN MO BEL

künstlerischer Qualität und Gebrauchsfähigkeit
zu vereinigen ist, wenn die besten künstlerischen
Kräfte die Vorbilder liefern.

Wirtschaftliche Erwägungen führten zu diesem
Ergebnis: Einzelmöbel und Einrichtungen
in großen Mengen verfallen der Gefahr, zu ermüden
, ja werden von dem Wunsche des Konsumenten
, eine Ausstattung mit einer Art Eigenphysiognomie
zu besitzen, schließlich abgelehnt.
So kam man dazu, das einzelne Möbel in
gewisse Grundformen seiner konstruktiven Entstehung
zu zerlegen und diese nach bestimmten
bewährten Verhältnissen als Einzelteile
herzustellen. Der Schrank z. B. zerfällt
in Wände, Boden, Decke, Sockel, Schubkästen.
Wird die Wand in acht verschiedenen Normalgrößen
, die anderen Teile in ebenso sorgfältig
abgestuften Formaten maschinell erzeugt, so ergibt
sich die Möglichkeit, das Möbel selbst in
einer fast unübersehbaren Reihe von Proportionen
durch verschiedene Zusammenstellung
solcher Einzelteile zu schaffen. Die Grundbestandteile
der Normalwohnung: Tisch und
Stuhl, Bett und Waschtisch, Büfett und Bücherschrank
wurden auf diese Weise durchgearbeitet
. Die Werkstätten verfügen heute über
einen Schatz von etwa 800 konstruktiven Einzelteilen
, deren Kombinationen wohl jedem nur
denkbaren Material- und Maßanspruch genügen.
Etwa fünfzehn hervorragende deutsche Künstler,
wie Behrens, Richard Riemerschmid, Bertsch,

Niemeyer, Bernhard, J. Hoffmann u. a. haben
ihre Phantasie und ihr Können diesem Gedanken
zur Verfügung gestellt. So sind eine Anzahl
Möbel entstanden, die an Gediegenheit der
technischen Durchbildung, an Klarheit und
Ruhe der Erscheinung und Gesundheit der
ästhetischen Anlage zu dem Reifsten gehören,
was heute an deutschen Möbeln auf den Markt
kommt. Das System, dessen Grundzüge natürlich
hier nur angedeutet werden konnten,
bedeutet einen gewaltigen Schritt vorwärts auf
Wegen, wie sie auf dem Gebiete des Bureaumöbels
, des Universalbücherschrankes von
Zeiß, Soennecken u. a. beschritten worden sind.
Während aber diese Schränke sich in ihrer
Erscheinung nicht über das Niveau der amerikanisierten
Zweckform erhoben haben, spüren
wir in den Schöpfungen, die hier vor uns
stehen, ein starkes künstlerisches Leben. Die
Kainsmale der Uniformierung, die der maschinelle
Ursprung ihnen aufzuprägen droht, verschwinden
in der fertigen Gestalt, und die
leisen Züge einer handwerklichen Persönlichkeitshandschrift
, die dem Vorgang der Zusammensetzung
entquellen, bestimmen das Maß
der ästhetischen Wirkung. Der deutsche
Stil, den wir mit aller Kraft suchen, blickt
mit hellen Augen aus den blanken Flächen
dieses wahrhaft der Gegenwart und ihren
Forderungen abgerungenen Hausgerätes.

Erich Haenel

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