http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0418
1
arch. hermann muthesius
landhaus in harleshausen
das Haus in seiner Gesamtheit das Werk einer
einheitlichen Planung dar, in der ein künstlerischer
Wille gegenüber den freien, sich auflösenden
Formen der Natur mit sicherer Gewißheit
zum Ausdruck gelangt.
Muthesius hat das Glück gehabt, diese natürlichen
Grundsätze gesunden Wohnens bei
einer Reihe großer und kleiner Bauaufgaben
praktisch durchzuführen. Sein neues Landhaus-
Buch, dem auch die Abbildungen entnommen
sind, die diesen Aufsatz begleiten, enthält eine
Anzahl von Beispielen ländlicher Wohnhausbauten
vom umfangreichen, mit großen Mitteln
errichteten Herrenhaus hinab bis zum einfachsten
Arbeiterreihenhaus. In jeder einzelnen
Arbeit offenbart Muthesius das gleiche, unge-
minderte Interesse am Problem, und diese innere
Teilnahme, diese lebendige Durchdringung der
Aufgabe gibt seinem Werk, soweit es hier der
Beurteilung vorliegt, etwas erfreulich Menschliches
, etwas überraschend Persönliches. Niemand
, der das Buch durchblättert, wird sich
diesem Eindruck entziehen können. Es sei der
Aufmerksamkeit aller Baulustigen und architektonisch
interessierten Kunstfreunde nachdrücklich
empfohlen. Walter Curt Behrendt
Den ausführlichen Erläuterungen, die Muthesius
in diesem Buche zu den von ihm gebauten
Landhäusern gegeben hat, entnehmen
wir die folgenden, sehr gekürzten Angaben zu
den Abbildungen auf diesen Seiten.
Bei der Anlage der beiden Häuser Büttner und
Harms in Bodenwerder wurde auf die landschaftlich
schöne Lage, die nach drei Richtungen
einen umfassenden Ausblick in das
Wesertal bietet, die größte Rücksicht genommen.
Für das Haus Büttner sollte eine sich nach
der Ostseite öffnende Halle geschaffen werden,
von der aus eine große Freitreppe in den
wenige Stufen tiefer liegenden Terrassengarten
führen sollte. Nach der östlichen Aussichtsseite
erschließen sich ferner im Wohnzimmer und
Eßzimmer zwei weiträumige Eckerker, die
beiden Räumen ihr Gepräge geben. Nach
Norden hin, der zweitbesten Aussichtsseite, ist
dem Eßzimmer eine große Veranda vorgelagert,
deren Oeffnungen mit leicht beweglichen
Schiebefenstern geschlossen sind. Vom Eingang
gelangt man über eine Ablage hinweg in
einen Gang, von dem aus man die teilweise
durch zwei Geschosse reichende große Mittelhalle
betritt. Nach Süden hin ist noch ein Herrenzimmer
angelegt. Die Küche schließt sich nordwestlich
in einem Flügel an, der noch die
wichtige Funktion erfüllt, einen Wirtschaftshof
von der Gartenterrasse abzugliedern.
Im Obergeschoß wurde auf einen um das
ganze Haus herumlaufenden Aussichtsbalkon
besonderer Wert gelegt. Aus jedem der Schlaf-
und Ankleidezimmer kann man auf diesen Balkon
351
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0418