http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0421
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realisiert und entwickelt. Man hat mitunter
das Gefühl, als reichte die Gestaltungskraft
zu völliger Bewältigung der Baumassen nicht
aus, Es ist aber merkwürdig, daß solche Empfindung
trotzdem niemals zu einer ablehnenden
Haltung gegen den Architekten führen
wird. Denn was immer wieder versöhnt und
vermittelt, ist die überzeugende Ehrlichkeit,
mit der Muthesius sich mit seinem Problem
auseinandersetzt. Man fühlt überzeugend, daß
hier einer nicht mehr will, als er kann. Aus
einer von Jahr zu Jahr sich steigernden Praxis
hat er nun eine Sicherheit und Reife der
Bauerfahrung gewonnen, die in wachsendem
Maße seinen Bauten und auch seinen Bauherren
zugute gekommen ist. Die Grundrisse
der von ihm erbauten Landhäuser sind Muster
von Zweckmäßigkeit, Behaglichkeit und glücklicher
Raumanordnung. In ausgezeichneter
Weise versteht er es, die richtigen Abmessungen
der Räume nach Breite, Tiefe und Höhe zu
treffen, die Räume in sich zu gliedern, Ausbauten
, Sitzplätze, Erweiterungen zu schaffen
und die Einzelräume dann wieder unter sich
zu geschlossenen, einheitlich wirkenden Raumgruppen
zu verbinden, kurz ein wohnliches
Haus zu bauen, dem es nirgends auch an den
unerläßlichen Nebenräumen gebricht, und das
in ausreichendem Maße zugleich allen sanitären
und profanen Nützlichkeitsforderungen
entspricht. Es kommt hinzu, daß Muthesius
mit großem Geschick das Innere seiner Häuser
auszustatten weiß, daß er in seinen Interieurs
eine unaufdringliche Folie für die Bewohner
schafft und ein behagliches, leicht bewegliches
Mobiliar in gefälligen Formen zu erfinden und
zu gestalten vermag. Mit besonderer Geschick-
keit endlich versteht es Muthesius auch, die
natürlichen Bedingungen des Bauplatzes zu
nutzen und bei der Gesamtanlage von Haus
und Garten zu verwerten. Auf dem Gelände wird
das Haus so plaziert, daß seine Wohn- und
Schlafräume vor allem eine günstige und ausreichende
Besonnung erhalten, und daß ihnen,
wenn durch die Situation bedingt, auch die
Vorteile einer bevorzugten landschaftlichen
Aussicht gesichert werden. Weiterhin wird von
ihm eine möglichst innige Verbindung von Haus
und Garten angestrebt und dafür gesorgt, daß
von den Wohnräumen des Erdgeschosses die
Gartenterrasse über wenige Stufen bequem zu
erreichen ist. Der Garten selbst wird dann als
Blumen-, Obst- und Gemüsegarten architektonisch
aufgeteilt, und seine Kulturformen
werden durch achsiale Bindungen zum Hause
in architektonische Beziehung gesetzt. So stellt
ARCH. HERMANN MUTHESIUS □ TORHAUS MIT AUTOGARAGE DER HÄUSER BÜTTNER U. HARMS IN BODEN WERDER l
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