http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0436
1
alfons ungerer-berlin
silberne broschen mit lapislazuli
SCHMUCKARBEITEN VON ALFONS UNGERER
Alfons Ungerer, von dessen Fähigkeiten
wir auf diesen Seiten eine Probe geben,
ist ein junger Goldschmied, der sich jetzt daran
gemacht hat, Berlin zu erobern. Er kommt
aus einer der Zentralen der deutschen Schmuckindustrie
, aus Pforzheim. In seinem Vaterhaus
hat er schon das Metier üben sehen, dem er
sich dann auch verschrieben hat. In seiner
Werkstatt sitzt er nun, ersinnt und formt aparte
Sachen für Leute, die gefällige Dinge um und
an sich haben möchten. Kaum einer ist so
abhängig vom Auftraggeber wie der Edelschmied.
Findet er nicht den Mann, der ihm große Aufgaben
stellt, ihn kostbares Gerät und kostbare
Schmuckstücke fertigen läßt, der ihn in Materialien
wühlen und aus edlen Stoffen die
feinsten und edelsten auswählen und zueinander
stimmen läßt, so bleibt ihm nichts übrig,
als auf dem Papier zu phantasieren. Er ist
wie der Dramatiker, dem
man die Bühne versperrt.
Er kann nicht wirken, wenn
er auch noch so viel Kräfte
in sich spürte. Ueber diesen
Punkt müssen wohl alle unsere
Goldschmiede einmal
hinwegkommen, wenn nicht
ein besonderer Glückszufall
sie sofort verständnisvolle
Förderer finden läßt.
Mühsam genug müssen sich
wohl die meisten durcharbeiten
zu dem kostbaren Material
, das ihnen erst die
große Wirkung ermöglicht.
Es ist das vielleicht nicht
nur eine Eigentümlichkeit
dieses Handwerks, das noch durch und durch
Kunsthandwerk geblieben ist. Bei genauerem Zusehen
wird man dieses Problem auch bei den
anderen Handwerkszweigen oft genug zu beobachten
haben, und es wäre für diejenigen,
die besonders dem Kleinhandwerker helfen
wollen, keine so ganz müßige Erwägung, hier
einmal auf Abhilfe zu sinnen. Wie viele eigenartige
Talente könnten gewonnen und als Handwerker
erhalten werden, wenn sie nicht in
ihren Anfängen so sinnlos erdrückt würden.
Alfons Ungerer hat sich einen Ausweg
aus solchen Nöten dadurch zu schaffen gesucht
, daß er zum Silber seine Zuflucht nahm
und aus diesem bildsamen Metall, das sich
so schön mit den neuerdings wieder bevorzugten
Halbedelsteinen verbindet, kleinere
Schmuckarbeiten fertigte. Zigarettenetuis, Bonbonnieren
, Broschen, Gürtelschließen, Anhänger
, Manschettenknöpfe,
das wären so die Dinge, denen
er durch eine aparte
und gewandte Handarbeit
individuelle Form zu geben
versuchte. Er liebt es, aus
derSilberfläche eine launige
und lebhaft bewegte Ornamentik
zu treiben. Es sind
Stilisierungen, die sich
ganz im Rahmen der Geschmacksanschauungen
bewegen
, denen die modernen
Geister innerhalb unseres
Kunstgewerbes huldigen.
Es ist vielleicht der Vorzug
seiner formalen Erfindun-
silberne gürtelschliesze m. malachit gen, daß sie nicht allzu
365
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0436