Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 379
(PDF, 180 MB)
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LEBERECHT MIGGE-BLANKEN ESE

HAUSGARTEN-TYP IN DER EBENE

tigen Einheit zum wohlproportionierten Ganzen
schreiten müssen. Als selbstbewußt denkende
Menschen kann es uns lediglich zustehen, zu
versuchen allgemein geistige Niederschläge
auf dem Wege hierzu zu verdichten, praktische
Ansätze zu fassen, zu verbreiten und abzurunden
.



Wenn wir in diesem Sinne das Arbeitsfeld
unseres derzeitigen Gartenlebens überblicken,
so entdecken wir heute schon mancherlei, was
auf typische Gartenbildung hindeutet. Nicht
nur, daß wir die Lauben, Alleen und Haine,
die Pavillons und Pergolen früherer Gartenperioden
übernommen und sie nur für unsere
Art und Weise im Garten zu leben abgewandelt
haben, sondern es bildet sich auch vieles
neu. Die Gartenterrasse beispielsweise ist
schon mehr ein fester Bestandteil unseres Landhausbaues
geworden. Ein sogenannter Gesellschaftsrasen
vor dem Hause, der so groß ist,
daß man sich bequem darauf ergehen und im
Kreise der Familie heitere Spiele arrangieren
kann, beginnt sich einzubürgern. Fast in jedem
Garten schon kehrt die Staudenrabatte wieder
als Gartenschmuck oder als Lieferant abgeschnittener
Blumen fürs Haus. Wir sehen als
neue Garteneinrichtung nicht selten ein gesondertes
Kindergärtchen, das meist mit einem
Tummelplatz für die Kleinen verbunden ist.
Ueberhaupt die Spielplätze, sie haben als Spielrasen
und Laufbahnen, als Turn-, Tennis- und
Ballplätze manchem Garten heute schon sein
besonderes Gesicht gegeben, und die Luft-,
Sonnen- und Wasserbäder werden das in einer
Zeit steigender hygienischer Selbstzucht noch
mehr tun. Wir bemerken Einwirkungen der
wissenschaftlichen Denkweise unserer Zeit in
den Gehölzgärten (Arboretum), Wasser-
und Felsenpflanzengärten, die sich der
Wohlhabende anlegt; verbreiteter ist wiederum
das Rosengärtchen. Kurz, alle die bekannten
Pflanzweisen deuten in ihrer heutigen Handhabung
auf neue typische Einzelformen des
Gartens hin, und die mannigfachen Gartenarchitekturen
gehen vollends aufs Typische aus. Man
kann sagen, daß alles gut und brauchbar ist,
was sich zum allgemein Gültigen entwickelt,
und daß andererseits Nichts, was im Kern ungesund
ist, die Kraft hat, typisch zu werden.

Die Wiederholung, die das Kennzeichen dieser
Gartenteile ist, beschränkt sich aber keineswegs

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