http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0470
Grund, warum seine Möbel letzten Endes eine
Angelegenheit der — leider viel zu wenigen —
Leute von Welt sind, die sich nicht antiquarisch
einrichten möchten.
Auch das will erkannt sein, daß Bertschs
geschmackvolle Art nicht eine Abart von Dingen
ist, die geschmackvoller einige Generationen
vor uns schon einmal dagewesen sind.
Es ist natürlich keine Kunst, sich an irgend
eine bestechende Vergangenheit anzulehnen und
an verblühten Schönheiten so lange zu bosseln,
bis sie als Raumdekoration für den heutigen
Menschen brauchbar geworden sind. Bertsch
steht jenseits dieser modischen Spielereien.
Wenn er im Laufe der langen Jahre, die er
im Kunstgewerbe tätig ist, sich irgendwie verändert
hat, so war es ein Abstreifen der Un-
fertigkeiten, ein stetiges Abklären und Reifen
zu der ihm eigenen gefälligen Eleganz.
Die neuen Proben seines Könnens, die in
Abbildungen hier beigegeben sind, werden das
dem aufmerksamen Beobachter seiner Kunst
bestätigen. Es sind Ansichten einer Pension,
die er in Meran mit einer schönen Gemütlichkeit
ausgestattet hat, und ein paar Zimmer,
die ein Berliner Großkaufmann sich von ihm
gediegen, vornehm und geschmackvoll herrichten
ließ. Ehe man das Einzelne an diesen
verschiedenartigen Räumen sieht, besticht die
ausgeglichene Stimmung, diese wohlige und
wie man zu sagen versucht wäre: wohl temperierte
Atmosphäre, die alle Details aufs angenehmste
umschließt. Die Farben, die zueinander
gestimmt sind, sind frisch, ohne je
j\ KARL BERTSCH-MÜNCHEN AUS DEM LESEZIMMER DER PENSION REGINA
\ Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst
396
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_28_1913/0470