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KARL BERTSCH, SALONSCHRANK □ MODELLE FÜR DIE SCHNITZEREI VON ERNST PFEIFER
Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst
ins Grelle umzuschlagen. Bertsch läßt sich
gern zu einer heiteren Buntheit herbei, ohne
aus gepolsterten Möbeln und bespannten Wänden
augenreizende Affichen zu machen. Er
wirtschaftet mit klaren und ruhigen Linien, die
eine feste, männliche Hand verraten, und an
denen man auf die Dauer eine immer neue
Freude zu haben vermag. An den Möbeln des
Empfangszimmers, dem Schrank, den Tischen,
Sofa und Sessel (Abb. S. 400—403) hat er neuerdings
auch zur Schnitzerei gegriffen. Sein Münchener
Kollege Ernst Pfeifer schuf die Modelle
, die ganz in jenem, dem Mobiliar eigenen
Geist der Diskretion gehalten sind. Es kam,
wie man sieht, hier nicht darauf an, zu schnitzen,
sondern in der Schnitzerei eine Dekoration zu
gewinnen, die das einzelne Stück den Sinnen
noch gefälliger, noch einschmeichelnder macht.
Es ist Bereicherung und Reichtum, der Bertschs
gesunde Einfachheit nicht erschlägt. Bei den
Hölzern, die er wählt, bevorzugt er besonders
die einfachen unaufdringlichen Strukturen. Er
braucht nicht exotische Materialien, um zu wirken
. Auch in Nebendingen hält er sich mit Vorliebe
an das Natürliche und kommt in seinen
Arbeiten so zu einem charaktervollen Ernst, dem
alle Schwere und allzu gravitätische Steifheit zu
nehmen, er dekorative Mittel genug hat. Man
Dekorative Kunst. XVI. 9. Juni 1913
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