Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 404
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KARL BERTSCH-MÜNCHEN AUS EINEM DAMENZIMMER

Ausführung in Birkenholz mit grünen Bezügen: Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst

sehe sich, um nur eines zu nennen, das Damenzimmer
, den Stuhl oder den Schrank in
diesem Zimmer (Abbildungen siehe S. 404—406)
an. Das wirkt gewiß nicht als interessante
oder gar geniale Erfindung. Das hat nichts
an sich, was ein anderer nicht auch finden
könnte. Aber der andere findet und erfindet
das nicht, weil er nicht über diese Gelassenheit
und diese Reife verfügt. Was solch Stück
angenehm macht, ist die Natürlichkeit der Proportionen
, die sichere Haltung, die Unbedingt-
heit der Wirkung. Ein alter Schrank, der Jahrzehnte
überdauert hat, kann nicht natürlicher
dastehen. Solche Möbel gehören zu dem ganz

seltenen Kunstgewerbe, in dem die
Kunstgewerbelei überwunden ist.

Das ist der Grund, weshalb man mit einem
besonderen Pathos von den Fertigkeiten eines
Bertsch reden muß. Seine Produktion verlangt
nicht nach großen Worten. Sie erklärt sich ganz
von selbst. Ungewöhnlich wird sie in erster
Linie dadurch, daß ein so großer Teil unserer
Raumkunstproduktion trotz aller Besserungen
noch immer in dem Sumpf der Ateliertheorien
steckt. Für ein weltmännisch sicheres Kunstgewerbe
wäre Bertsch das Vorbild, dem nachzueifern
eine Mode wäre, die wir uns von Herzen
wünschen könnten. Paul Westheim

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