Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 410
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muntersten Quellen und spielen frei die ver- dern geradezu wissenschaftlich erarbeitet zu J

wegensten Kräfte. Man denke nur, ein Rudolf sein. Indessen merkt man nirgends eine Spin- i

Wilke hätte sich in die münchnerische Linie tisiererei, die den künstlerischen Genuß zu be- j

eingeordnet! Alle die Köstlichkeit und alle die einträchtigen vermöchte. Und das umsoweniger, I

tiefe Humorigkeit seiner in ihrem Wesen durch- als über allem ein feiner künstlerischer Humor I

aus niederdeutschen
Kunst wäre damit verloren
gegangen. Ebenso
um

auch einen
älteren Künstler zu
nennen, bei Wilhelm
Busch, der während
seiner Mitarbeit bei
den graphischen Publikationen
der Firma
Braun & Schneider, an
seinen Münchner Kollegen
gemessen, immer
als der Hecht im
Karpfenteich erschien.

Von den einst und
jetzt in München lebenden
Graphikern können
eigentlich alle, die
Illustratoren und Buchkünstler
im strengsten
Sinne sind, unmünch-
nerisch genannt werden
. Nur Neureuther
von den Alten, Taschner
von den Jüngeren
geben so etwas wie
illustrative Geschlossenheit
. Straffe Konzentration
, unerbittliches
Weglassen, philosophische
Abstraktion,
markenhafte Prägung
in der Erscheinung des
Kunstwerkes, Satire,
Ironie und Karikatur
im tieferen Wesen, die
sind des künstlerischen
Münchnertums Sache
nicht. Man legt auch

keinen sonderlich hohen Wert auf den Zusammenhang
der Zeichnung mit Papier und
Druckschrift, vergißt die „Zweidimensionalität"
der Zeichnung und ist lustig „malerisch", ohne
sich der Stillosigkeit malerischer Momente in
einer illustrativen Zeichnung bewußt zu werden.

Von dieser Art ist die graphische Kunst des
Emil Preetorius nicht. In ihm drückt sich
vielleicht am unzweideutigsten von allen in
München schaffenden Graphikern der rein
graphische, illustrative und buchkünstlerische
Zug aus. Das Wesen der Graphik scheint von
Preetorius nicht nur künstlerisch erfaßt, son-

EMIL PREETORIUS □ TITELZEICHNUNG IN DREI TONEN
ROT UND BLAU AUF DUNKELGELBEM GRUND

regiert, der sich in Auffassung
und Ausdruck
dokumentiert. Ein Humor
, dem alle baju-
varischen Elemente,
breitspurige Behäbigkeit
, saftige Buntheit,
zünftige Derbheit, fehlen
, ein Humor vielmehr
, der prickelnd,
leicht, schwebend, und
im künstlerischen Sinn
fast frivol ist, der Humor
eines Ironikers,
eines schlagfertigen
Rheinländers.

Dem Rheinland ist
Preetorius seinerStam-
meszugehörigkeit nach
auch benachbart. Er ist
Darmstädter, und besieht
man sich die Illustrationen
zu der Komödie
„Datterich", die
sein unberühmt-berühmter
Landsmann
Niebergall gedichtet
hat, und die so ganz im
Humor des Hessen-
tums wurzelt, so tun
sich einem die landsmännischen
Momente
in Preetorius' Kunst
ohne weiteres kund.
Da Preetorius fast autodidaktisch
zu seiner
Kunst kam (ein hal-
besjahr Zeichenunterricht
an der Münchner
Kunstgewerbeschule,
wo Maximilian Dasio die Besonderheit des Preetorius
alsbald erkannte und ihm daher zum Austritt
aus der für seine Art ungeeigneten Schule riet,
zählt nicht mit), sind jene wertvollen Heimatsmomente
ebensowenig abgeschliffen worden als
die Persönlichkeitswerte seiner Kunst irgendwie
Eintrag erlitten. Der Kunst und ihrem Künstler
ist damit der prachtvolle Reiz der Echtheit,
Ganzheit, Selbstverständlichkeit gewahrt geblieben
. Ich behaupte das, obwohl Preetorius
den „ Stilgraphikern " beigezählt werden muß und
hier etwa zwischen Beardsley und Somoff seinen
Platz behauptet. Man kann doch unverlierbar

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