Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 412
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„echt" und eine eigene Persönlichkeit
bleiben, auch wenn man nicht völlig
kalt und unberührt an dem hohen
Kulturschatz alter Stile vorbeigeht,
wenn man willig anerkennt, was China,
Japan, das Rokoko, der Stil von 1830
und das zweite Kaiserreich, das der
Welt die Geschmackspropheten Brüder
Goncourt schenkte, an künstlerischen
Werten besitzen. Man darf sich von
den Motiven dieser älteren Stile auch
einkörpern, soviel man nur will; die
Hauptsache bleibt, daß man die verschiedenen
Anregungen auf einen gemeinsamen
Nenner bringt. Dieser Nenner
heißt hier: Persönlichkeit, persönlicher
Stil. Preetorius kennt selbst sein
Faible für den Stil Biedermeier recht
gut, und wenn er diesen Stil durch
leichte Uebertreibungen an die Grenze
des Komischen vortreibt, so scheint es
mir zuweilen, als ironisiere er sich
selbst. Die Momente des späteren
Rokoko, die in seinem Werk begegnen,
erhalten namentlich durch seine Silhouetten
Richtung und neuen Ausdruck
. Die Silhouettenkunst, das spielerische
Kind aus dem Zeitalter Lud-

E.PREETORIUS □ ILLUSTRATIONEN AUS NIEBERGALL „DATTERICH"
Insel-Verlag, Leipzig; Druck der Ernst-Ludwig-Presse, Darmstadt

wig Quinze, hat durch Preetorius eine
unheimliche Wiedergeburt und Verlebendigung
erfahren. Nicht im tändelnden
und graziösen Sinn koketter Scherenmanöver
, sondern in der neueren
Ausdrucksart einer schnurrigen Umrißlinie
, die eine vollkommene Charakterisierung
gibt, eine Charakterisierung
voll Groteske und Humor, voll
Ausdruck und Erschöpfung. Man erschrickt
ordentlich, wenn man denkt,
daß man selbst nur eine solche „gefüllte
Kontur" sei, und daß die Umrißlinie
genügt, einen Menschen in
seiner ganzen Art bloßzustellen, ja,
mehr als das, durch das Nebeneinander
einiger solcher „gefüllter Konturen
" menschlich-soziale Relationen
herzustellen, Gesellschaftspsychologie
zu treiben.

Als Preetorius in seinen Illustrationen
zum „Peter Schlemihl" des
Chamisso die Silhouetten zuerst anwandte
, mochte ihn vielleicht weniger
der Gedanke geleitet haben, hier Charakterporträts
auf die knappste Formel
zu bringen, als der, interessante dekorative
Wirkungen zu erzielen. Bald
aber erkannte der Künstler, daß sich

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