Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 413
(PDF, 180 MB)
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EMIL PREETORIUS □ ILLUSTRATIONEN AUS JEAN PAUL „DES LUFTSCHIFFERS GIANNOZZO SEEBUCH (vgl. Seite 411)

Insel-Verlag, Leipzig

aus der Silhouette noch mehr und Reizvolleres
herausholen lasse als eine dekorativ-pikante
Schwarz-Weiß-Wirkung: daß sich ihm hier ein
bisher unbebautes Gebiet der Kunst, eine neu zu
erobernde Provinz der Graphik, auftue, daß hier
die Möglichkeitgegeben war, mit Hilfe der Umrißlinie
künstlerische Psychologie zu treiben, Charaktere
auf die einfachste Ausdrucksformel zu
bringen und das, der ganzen Natur des Ausdrucksmittels
entsprechend, mit einem unverkennbaren
Stich ins Groteske und Komische.
Am vollendetsten als Ausschöpfung aller Silhouettenmöglichkeiten
scheinen mir die Vignetten
-Köpfe über den Kapiteln des von Pree-
torius außerordentlich geschmackvoll und
den Geist des seltsamen Buches völlig ausmünzend
illustrierten „Tartarin von Tarascon",
den in einer fabelhaft billigen Volksausgabe
der Verlag Mündt und Blumtritt in Dachau
(„Der Gelbe Verlag") herausbrachte. Wie hier
eine ganze Gruppe von Gestalten des Romans
zugleich thematisch illustrierend und buchgraphisch
dekorativ zusammengebracht ist, auch
die Schrift in schönstem Einklang mit der Illustration
zusammenwächst, das stellt die denkbar
höchste Stufe graphischer Buchkunst dar.

Ich sagte, daß die Illustrierung des „Tartarin
von Tarascon" eine vollkommene Ausmünzung
des Geistes dieses Weltliteraturwerkes
darstelle, daß also alle jene zwischen den Zeilen
geschriebenen Stimmungsmomente, jene
aus weiter geistiger Perspektive auftauchenden
phantastischen Gebilde sich hier zum energisch
umrissenen Bild, zur Illustration im höchsten
Sinne, verdichten. Das gilt aber nicht nur von
diesem Buch, sondern von der ganzen stattlichen
Reihe von Büchern, die Emil Preetorius,
angefangen von Chamissos „Peter Schlemihl"
bis herab zu Niebergalls „Datterich", der in
diesen Tagen erscheint, mit seiner künstlerischen
Sorgfalt und Mitarbeit umgab. Den Geist
eines Dichters in künstlerischen Nachschöpfungen
treu widerzuspiegeln, ohne die eigene
künstlerische Persönlichkeit preiszugeben, das
ist das höchste Ziel der Illustrationskunst.
Preetorius hat es in seinen besten Buchschöpfungen
erreicht, in vielen anderen ist er ihm
sehr nahe gekommen. Seine prachtvollste Ar-

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