Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 414
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EMIL PREETORIUS-MÜNCHEN B KOPFLEISTEN AUS DAUDET „TARTARIN DE TARASCON"
Der Gelbe Verlag, Dr. Mündt und Blumtritt, Dachau

beit auf diesem Felde ist sein graphischer
Rahmen für des Jean Paul kurioses Werk vom
Luftschiffer Giannozzo. Die Illustrationen sind
in der Reproduktion mit sparsamer Farbigkeit,
unter Anwendung raffinierter technischer Mittel,
gedruckt und geben die Vorzüge der Originale
mit vieler Treue wieder. Daß das Reproduktionen
vermögen, ist nicht zuletzt auch das
Verdienst von Preetorius, der, ein geborener
Graphiker, sich bei der Konzeption seiner
Werke immer schon fragt: Wie muß ich das
in Komposition, Linie, Licht- und Schattenskala,
Farbenanordnung ausdrücken, daß bei der Reproduktion
nichts verloren geht?

Von diesen technischen Erwägungen wollte
ich indessen hier nicht sprechen, sondern von
der geistigen Durchdringung der Dichtwerke,
weil sie uns einen Weg in des Preetorius

eigene Geistigkeit zeigt. Und das scheint mir
gerade bei einem Buchgraphiker und Griffelkünstler
, bei dem eine biegsame Geistigkeit viel
wichtiger und unerläßlicher ist als beim Maler
und Bildhauer, nützlich, um nicht zu sagen: notwendig
zu sein, damit man ihn ganz erfasse. Ein
Beispiel: Ich stehe vor Gemälden Holbeins oder
Leibis und empfinde dies: wie wundervoll, wie
erschütternd konnten die malen, es gibt keinen
Weg darüber hinaus! Dagegen erhalte ich in
einem Kupferstichkabinett Dürers Stiche vorgelegt
, Offenbarungen auf brüchigen Papierfetzen,
und kann nur dies denken: welcher Geist muß
diesen Mann durchdrungen haben! Das Gefühl
allein schon sagt: dem Graphiker stehen geistigere
Ausdrucksmittel zur Verfügung als dem
Maler. Aber es ist einer eben auch nur dann ein
echter Graphiker, wenn er das, was er auszu-

EMIL PREETORIUS-MÜNCHEN □ ILLUSTRATIONEN AUS DAUDET „TARTARIN DE TARASCON" }

Der Gelbe Verlag, Dr. Mündt und Blumtritt, Dachau \

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