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EMIL PREETORIUS-MÜNCH EN B KOPFLEISTEN AUS DAUDET „TARTARIN DE TARASCON*
Der Gelbe Verlag, Dr. Mündt und Blumtritt, Dachau
drücken hat, vergeistigt, wenn er genug Witz
besitzt, um es aus der Welt der realen Erscheinungen
herauszuführen in phantastische Bezirke
, wenn er sein Weltbild abstrakt, unwirklich
geben kann.
Bei Emil Preetorius habe ich diese Geistigkeit
nirgends vermißt. Sie hat einen gewissermaßen
sozialen Charakter, denn sie ist mitteilsam
in eingängiger Form und verschließt sich
nirgends in schwer zugänglichem l'art pour l'art.
Sie ist gerne ein wenig bizarr, ironisiert mit
großem Vergnügen und, wenn es sein muß,
sich selbst, hat Gefallen an gepflegter und kultivierter
Behaglichkeit, ohne daß sie es verschmähte
, mit den gähnenden Abgründen des
Lebens zu kokettieren. Es muß sich daher ergeben
, daß Preetorius namentlich für die geistreichen
Franzosen des zweiten Kaiserreichs, für
Balzac, Daudet, Flaubert, ein lebhaftes und unplatonisches
Interesse zeigt. Indessen geht seine
aus dem Geistigen ins Materielle umgesetzte Produktion
über diesen Kreis hinaus, und auch die
Romangrotesken eines Modernen, Friedrich
Freksas, wußte Preetorius illustrativ sozusagen
über sie selbst hinauszuführen. Preetorius bedarf
freilich der illustrierenden Tätigkeit im
weiterschweifenden Wortsinn nicht, um den
Geist eines Buches graphisch auszudrücken.
Es genügt ihm oft ein Titelblatt, um darin ein
Bild von dem zu geben, was den Leser des
Buches erwartet, um ihn zu „stimmen", zu
konzentrieren oder auch ihn zu locken und aufmerksam
zu machen. Zwei der schönsten Beispiele
dafür sieht man in den Umschlägen zu
Herbert Eulenbergs „Sonderbare Geschichten"
und zu Jakob Burckhardts nachgelassenen
EMIL PREETORI US-MÜNCH EN h ILLUSTRATIONEN AUS FREKSA „PHOSPHOR" *
Verlag Georg Müller, München \
415
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