Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 416
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SCHWARZ U. GRÜN AUF ORANGE GOLDPRÄGUNG AUF BLAUEM GRUND

EMIL PREETORIUS Q BUCHTITEL

SCHWARZ, WEINROT UND GRÜN

„Briefen an einen Architekten". Dort das religiös
-mystische Element, das durch die heiligtummäßig
behandelte Madonna, die in unwirklichen
Goldstrichen auf violetten Grund gezeichnet ist,
restlos ausgedrückt wird,
hier der rationalistische
Forschergeist, die kritische
Vernunft, die kühle
Geistigkeit, deren Art
durch den schlank und in
sich geschlossen aufschießenden
Obelisk fein und
sicher charakterisiert ist.

Kontrasterscheinungen
bilden die Umschläge zu
den Anekdoten Wilhelm
Schäfers und zu den Grotesken
von Hans Heinz
Ewers. Bei ihnen ist
der sensationell-aktuelle
Buchcharakter bewußt betont
durch eine entscheidend
mitsprechende Farbigkeit
. Eine derartig kultivierte
Farbigkeit ist Graphikern
nicht eben häufig
beschieden. Die großen
graphischen Künstler
Frankreichs: Toulouse-
Lautrec, Steinlen, Cheret
vergriffen sich nicht selten
im Farbenensemble,
und statt farbig zu wirken,
wurden sie bunt und kul-

E. PREETORIUS □ KATALOGTITEL DES HYPERIONVERLAGS
, HANS VON WEBER, MÜNCHEN

turlos. Andererseits war Beardsley aller Farbensinn
versagt, nicht minder dem Radierer
Stauffer, der daher, sobald er sich auf die
Malerei warf, Schiffbruch leiden mußte. Des

Preetorius geschmackvolle
, leise mittönende,
nicht die Führung hei-
schendeFarbigkeit scheint
an den Japanern geschult
zu sein. Die gleichen zarten
Uebergänge wie bei
den japanischen Farbenholzschnitten
und die nämlichen
silbergrauen und
goldbraunen koloristischen
Ensembles, die
nur bei Plakaten und
ähnlichen Arbeiten, die
eine starke Fernwirkung
verlangen, zugunsten
höherer Einprägsamkeit
aufgegeben sind. Die Plakate
von Emil Preetorius,
das vom „Großen Wurstel
" in München, von seinen
eigenen Ausstellungen
in Brakls modernem
Kunstsalon, für die Zeitschrift
„Licht und Schatten
" und neuerdings die
plakatartigen Titelblätter
für „Zeit im Bild" haben
den soignierten Reklamestil
, der wirbt, ohne

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