Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 418
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emil preetorius □ kopfleiste des inseratenteils der zeitschrift ,licht und schatten", münchen

in seiner Abstraktion, in seiner Differenzierung
des Tatsächlichen, das gerade hierin die Erscheinung
tritt und mitspricht, so verblüffend, daß man
ihm außer dem Epitheton „ein geborener Graphiker
" auch noch dies vindizieren möchte: daß
er nur graphisch-abstrakt sehen könne, d.h. daß
eine Abstraktion bei ihm überhaupt nicht nötig
sei, weil sich ihm das Weltbild von vornherein
unmateriell, graphisch darbiete. Man möchte
das, denn es bedeutete eine wesentliche Vereinfachung
des Problems Emil Preetorius.

Indessen ist vor etwa zwei Jahren im Verlag
Ernst Rohwoltin Leipzig
eine Mappe mit zehn Originallithographien
von
Emil Preetorius erschienen
, die es uns schwer
machen, schnell eine
Formel für ihn zu konstruieren
. Die Zeichnungen
dieser Mappe sind
außergewöhnlich bedeutungsvoll
. Denn sie zeigen
uns, wie unbefangen
„der geborene Graphiker
" der Wirklichkeit
gegenübertritt. Wie objektiv
, wie frei von den
literarischen und psychologischen
Absichten
des Graphikers er sie mit
sicheren, dabei apartgraziösen
Strichen abschildert
. Abschildert—nicht
graphisch transponiert!
Wie er beispielsweise
nicht eine Stellung als
besonders charakteristisch
festhält, wie es
Sache des Illustrators ist,
sondern wie er eine Gestalt
um ihre eigene Achse dreht, immer notierend
und abschildernd, oder wie er sie sich
von allen vier Himmelsgegenden aus beguckt.

In Emil Preetorius' Werk, das zeitlich kaum
weiter als sieben oder acht Jahre zurückreicht,
nimmt diese Lithographiemappe eine besondere
, dem Analytiker von Preetorius' Kunst
nicht sonderlich bequeme Stellung ein. Aber
für den Künstler selbst ist es außerordentlich
wichtig, daß er gerade diese Steinzeichnungen,
die einen Blick in sein Werden und in seine

Werkstatt gewähren,

n



e. preetorius □ titelzeichnung f. d. katalog e.
modewaren hauses; schwarz, grau, dunkelrot

der Oeffentlichkeit der
Kunstfreunde vorlegen
konnte. Verfolgte man
ihn je mit dem Vorwurf
der Manieriertheit, so
brauchte er nur auf diese
Mappe hinzuweisen.
Nicht minder, wenn jemand
behauptete, seine
Gestalten seien nicht
„durchstudiert" ... Indessen
wird sich Preetorius
kaum jemals in
eine solche Verteidigungsstellung
gedrängt
sehen. Aber trotzdem
bleibt der Wert dieser
Lithographien für das
Gesamtwerk bestehen.
Man besieht diese leicht
gefärbten Blätter und daneben
das „Seebuch des
Luftschiffers Giannoz-
zo"; d. h. man sieht den
Realisten Preetorius und
den Reinkultur-Graphi-
kerPreetorius und durchläuft
so den Weg von der
Wirklichkeit zum Stil.
Georg Jacob Wolf

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