Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 446
(PDF, 180 MB)
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ARCH. HERMANN KUNZE-LEIPZIG

und das eigentliche Ausstellungsgebiet gegen
das Vergnügungsviertel abschließt und es gleichzeitig
mit diesem verbinden will. Diese beiden
Zwecke, verbunden mit einem dritten, der
die Bodenverhältnisse benützt, um der Hauptallee
gegen das Völkerschlachtdenkmal hin eine
architektonische Steigerung zu geben, verringerten
gewiß nicht die Schwierigkeit, dreierlei außerordentlich
divergierende Forderungen zu einem
annehmbaren Zusammengehen zu zwingen. Dem
Gedanken nach haben alle drei Absichten ihre
Berechtigung. Wenn schließlich in der Wirklichkeit
das abschließende mehr als das verbindende
und steigernde Moment in die Erscheinung
tritt, so liegt das wiederum nicht in
der Architektur selbst, sondern in den schon
mehr erwähnten Gründen einer nicht gelungenen
Geländeaufteilung.

Vom Hauptgebäude der Ausstellung wenden
wir uns zu dem gegenüber liegenden Hauptrestaurant
, dessen Urheber E. F. Hansel in
Leipzig, wohl wenig darüber orientiert ist, daß
ein Bauwerk ein Organismus ist und jeder
Organismus sinnvolle Lebensziele hat. Es
soll ihm unbestritten sein, daß ein Restaurant
einer großen Ausstellung zunächst die Aufgabe
hat, möglichst vielen Personen Unterkunftsgelegenheit
zu bieten. Daß er also rein

BAYERISCHE BIERHALLEN

technisch seiner Aufgabe gerecht geworden
ist, mag zugegeben werden, eine persönliche
Note, die auf die Fähigkeit schließen läßt,
geistig ein architektonisches Problem zu erfassen
und zu meistern, kann ich in diesem
Gefüge von Zufälligkeiten, die originell sein
wollen, nicht finden. So wenig befriedigend
die Fassade mit den zwei häßlichen, mittleren
Vorbauten ist, so wenig geschmackvoll ist das
Innere und hier besonders wieder die Ausschmückung
des großen Saales, der ein für
das Auge auf die Dauer unerträgliches, vielfarbiges
Teppichmuster als Wanddekoration
und mit den Beinen an die Decke genagelte
polygonale Tische als Beleuchtungskörper
aufweist.

Was sich sonst noch an Gebäuden an der
Hauptstraße zeigt, ist mehr Verlegenheitsarchitektur
als Gelegenheitsprodukt im Goethe-
schen Sinne.

Ein Potpourri, in dem die Operettenmache
— wenn der Vergleich gestattet ist ■ überwiegt
, stellen die Bauten an der Lindenallee
dar. Es scheint, als ob — um im Vergleich
zu bleiben — die verantwortliche Leitung durchgängig
weniger Gewicht auf geistigen Gehalt gelegt
, als Nachsicht mit tantiemekräftigen Interessenten
geübt hat. Die wenigen Anlagen, die

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