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arch. weiden bach u. tschammer-leipzig m grosze treppe u. halle d. architektur d. xx. jahrhunderts
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satz für den sonst üblichen Ausstellungsclou
bietet, ist das von den Berliner Architekten
Taut und Hoffmann in Verbindung mit der
Firma Breest & Co. entworfene, ganz aus T-
Trägern und Glas gebaute „Monument des
Eisens" in Form einer achtseitigen, dreifach
abgestuften Pyramide. Von den übrigen, außerhalb
der Hauptstraße liegenden Gebäuden
scheint mir noch die Halle für hygienische Baueinrichtungen
erwähnenswert, deren Eingangspartie
in wohltuender Weise auf die sich überall
breit machende dorische Säule verzichtet und
selbständiges Gefühl für Raumgestaltung erkennen
läßt.
Ueberblickt man die Gesamtarchitektur der
offiziellen Bauten, so kann man nur bedauern,
daß so wenig selbständige Leistungen zu finden
sind. Es ist gewiß nicht von der Hand zu
weisen, daß die Erinnerungen an die Zeit vor
hundert Jahren einen Einfluß auf die Architekten
ausübten, aber zu einer selbständigen
Umwertung überkommener Formen und ihrer
Nutzbarmachung für moderne Anforderungen
ist es doch nur in verschwindend geringen
Fällen gekommen. Wer vorurteilslos diese
Ausstellung durchwandert, wird mir darin recht
geben, daß in ihrer Architektur die Zahl der
Gegenbeispiele die der guten bei weitem übertrifft
. Im allgemeinen nimmt man an, daß
eine Ausstellung Fortschritte zeigen soll und
die Leistungsfähigkeit bestimmter industrieller
oder künstlerischer Gebiete in konzentrierter
Form vorzuführen hat. Daß auf einer Baufach
-Ausstellung, in der sich das Hauptaugenmerk
von selbst auf die Baukunst richtet,
gerade diese so schlecht abschneidet, ist tragisch
. Es läßt dies aber erkennen, daß sich
die Ausstellungsleitung über die Bedeutung
ihres Unternehmens nicht klar geworden ist.
Daß Mißgriffe bei der Anlage und Durchführung
der Ausstellung überreichlich vorgekommen
sind, kann hier nur angedeutet werden, doch
soll ein eingehender Bericht über die künstlerische
und wirtschaftliche Bedeutung des
Unternehmens folgen. Dr. Otto Pelka
«
Ob eine von der Zeit gestellte Aufgabe die
rechte Erfüllung fand, zeigt sich vornehmlich
daran, ob sie unter den Händen, die mit ihr
betraut wurden, in die Tiefe und Breite wuchs.
Franz Mannheimer
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Die Schönheit steht der Nützlichkeit nie grundsätzlich
im Wege. Auch bei der schönen
Form kann der höchste Effekt mit den geringsten
Mitteln erreicht werden. Hermann Muthesius
DekoratWe Kunst. XV7. 10. Juli 1913
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