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BAURAT O. KRAMER-DRESDEN
GEBAUDE DES SÄCHSISCHEN STAATES
Plastische Arbeiten von Bildhauer Rudolf Born-Dresden
Gesetzes nicht zu fern. Eine Baufach-Ausstellung
kann ja sehr wohl - oder soll vielmehr
— den Geburtsschein für eine neue Zeit,
oder die Beglaubigung für den Thronwechsel
der ästhetischen Gesetze ausstellen. Je nach
ihrer Stellung werden die einen das Kommende
bejubeln, die andern das um die sinkende Herrschaft
ringende Alte zu verteidigen suchen. Es
ist sicher Pflicht jedes, der sich für die Zukunft
deutschen Bauschaffens zu seinem Teil
mit verantwortlich fühlt, zu den Fragen Stellung
zu nehmen, einmal Umschau zu halten und sich
klar zu machen, auf welchem Wege wir uns
befinden.
ab
Wir stehen vor einer erneuten Bewunderung
Schinkels. Also nach einem Anlauf zu eigener
Zeitkunst ein Zurückgreifen auf einen alten
Stil — und zwar einen solchen aus zweiter
Hand. Nicht die mit dem Spaten arbeitenden
Archäologen sind die Führer, sondern unsere
Urgroßväter. Der Erkenntnis, daß wir eine
Zeit der Uebertreibungen, der Willkür, des
selbstherrlichen Eigenwillens durchgemacht haben
, folgt das Streben nach jener Einfachheit der
Deutschen der napoleonischen Zeit. Das Wort
von der edlen Einfalt, der noble simplicite dämmert
von ferne wieder auf, wie die Kantsche und
Hegeische Philosophie wieder neu erwacht ist.
. .. Unsre Architektur, die sich überhitzte im
Erfinden, beginnt sich im Entlehnen wieder zu
erholen.
Es gilt nicht, unsre Zeit zu loben oder zu
tadeln: es gilt sie zu verstehen und ihrem
Wesen zu folgen. Und ihr Wesen steht aufs
engste in Zusammenhang mit dem Fortschritt
der Technik. Nicht das Material beherrscht
mehr den Bau, sondern wir haben gelernt,
Materialien zu schaffen, die wir beherrschen,
die sich unserm Willen auf Raumgröße und
Raumwirkung fügen müssen. Die Hoffnung,
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