Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 458
(PDF, 180 MB)
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WILLI GEIGER-CHARLOTTEN BURG

einige Befruchtung zugeführt haben, aber ganz
sein eigen und unerhört bleibt Geigers neue
Ausdrucksform, die gleich weit von der Wirklichkeit
wie von der Groteske des Karikaturisten
entfernt ist. Woher also floß ihm die
Kunst? Ihr Besonderes, Unerlernbares? Man
steht ohne Antwort, wie immer, wenn man an
die letzten Rätsel künstlerischen Schaffens, an
das Genialitätsproblem rührt, von dem oben die
Rede war. Und fast möchte man an Mächte denken
, die wir nicht erforschen können, und die sich
des Künstlers nur als eines Instrumentes bedienen
, um sich zu „materialisieren" . . .

Geiger hatte die zwanzig Blätter der „Seele",
von denen die meisten von stürmischem Impuls
auch im Thematischen getrieben sind und nur
einige wenige zu literarisch-spintisiert erscheinen
, in aller Stille und Heimlichkeit geschaffen.
Er überraschte damit seine Lehrer —■ er war

„FLIEHENDE MENSCHEN" (RADIERUNG)

inzwischen zu Stuck an die Akademie gegangen
— und die meisten seiner Freunde.
Einen Teil der Blätter stellte er im Jahre 1903
in dem kleinen, damals namentlich bei den
jungen Kunstenthusiasten sehr beliebten Salon
von Krause in München an der Gabelsberger
Straße aus. Kurze Zeit nachher behing er
mit den Blättern des ganzen Zyklus die Wände
eines kleinen Sälchens im Münchner Künstlerhaus
, wo eine derartige Kunstäußerung geradezu
unerhört erscheinen mußte. Nur einen
Abend über sah man die Blätter da, und es
war das auch sonst ein seltsamer Abend. Denn
am Rednerpult stand ein sehr junger und doch
schon überstudierter Kunstästhet und suchte
den alten Literaten Wilhelm Heinse, den
Petroniusübersetzer und Ardinghello-Dichter,
hauptsächlich in seiner Eigenschaft als Kunstphilosoph
zu analysieren, ihn in einen gelehrten

I

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