Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 461
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WILLI GEIG ER-CHARLOTTEN BURG

selbst als Maler zu bestehen weiß. Malte aber
Geiger ausnahmsweise einmal, so waren es
immer Realitäten, die er abschilderte: in früher
Zeit, da er einmal ein halbes Jahr lang an
der Akademie in Venedig eingeschrieben war,
allerlei buntes Segelzeug der Lagunen, dann
in der Heimat Pferde und Landschaften aus
dem köstlichen Bayerischen "Wald, in Madrid
und Rom kleine bunte Lebensausschnitte, in
Tunis das Meer und die Küste und dazwischen
wohl auch einmal ein paar Bildnisköpfe, von
denen ihm das charakteristische Profil Siegfrid
Wagners die größte künstlerische Befriedigung
gewährte. Nie indessen dachte Geiger daran,
jene abstrakten Momente und psychischen Motive
, die seine graphische Kunst beherrschen,
ins Malerische zu übertragen, und ich preise
diese ästhetische Reinlichkeit und diese bei
einem Künstler nicht eben selbstverständliche
Selbstkritik.

* *
*

In Geigers Erstlingswerk lagen alle jene
Momente, deren hier gedacht wurde, im Kern
beschlossen. Sie fanden reineren und höheren
Ausdruck in jedem seiner folgenden Werke.
Peter Halm, der einst auch der Lehrer Karl
Stauffers aus Bern gewesen, unterwies ihn in

STIERKAMPF-SZENE (RADIERUNG)

der Kunst des Radierens. Geiger lernte dieses
künstlerische Ausdrucksmittel in kurzer Zeit
meisterhaft beherrschen, und er schätzte es
bald höher als die Malerei selbst. Der Farbe
an sich konnte er leicht entraten. Brauchte
er doch als Radierer auf malerische Wirkungen
nicht zu verzichten, da dem Radierer, wie
Struck in seinem bekannten Radierbuch schreibt,
„die ganze Tonleiter vom dunkelsten Schwarz
des starkgeätzten Striches bis zum reinen Weiß
des Papiertons zur Verfügung steht; ja, er
kann sogar durch die verschiedene Art, wie
er die Striche führt, ätzt oder in das blanke
Kupfer einkratzt, eine ausgesprochen farbige
Wirkung erzielen und den Beschauer vergessen
machen, daß das Blatt, auf welches er blickt,
nur aus Tonunterschieden einer einzigen Farbe
entstanden ist".

Schon ein frühes, aus Anlaß eines akademischen
Wettbewerbes geschaffenes Blatt „Der
Durst" zeigt Geiger souverän im Gebrauch
der technischen Hilfsmittel. Eine Mappe, die
unter dem Titel „Liebe" zehn Radierungen
über dieses unerschöpfliche Thema zusammenfaßte
, bewies erneut, daß ihm die Radierung
taugte, seine Motive zu unerhört plastischem
Ausdruck zu bringen und sie zu Lebenssymbolen
zu steigern. Mit verhältnismäßig wenigen

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