Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 28. Band.1913
Seite: 463
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WILLI GEIGER-CHARLOTTENBURG

darstellerischen Mitteln trifft Geiger jedesmal
die Stimmung und hält sie fest. Sein Stil, der
von eindringlicher Beredsamkeit und von unauslöschlicher
Einprägsamkeit ist, geht auf das
Weglassen aus. Auf das Vereinfachen, Andeuten
, auf markenhafte Prägnanz, die namentlich
der wahrhaft beglückenden Fülle seiner
Exlibris*) zugute kommt und ihnen im besten
Sinn die Knappheit alter Buchzeichen gewährt,
ohne daß jene Trockenheit, die den nur ornamental
-typographischen Bucheignersignets innewohnt
, bei ihnen aufkäme. Im Gegenteil, eine
gewisse flotte dekorative Note, die sich freilich
nie zu dem in München landesüblichen zopfigen
Schnörkel bequemt, zeichnet die Geiger-
schen Exlibris, die allesamt voll Beziehungen
zum Künstler wie zum Bucheigentümer stecken,
aus — sie kehrt wieder in zahlreichen Vignetten,
Signets, Initialen, Briefköpfen und sonstigen
Arbeiten der Gebrauchsgraphik, und sie bekun-

*) Das gesamte Exlibris-Werk Willi Geigers erscheint
diesen Sommer im Selbstverlag des Künstlers.

„HALALI" (RADIERUNG)

det sich auch in mancher seiner großen Stierkampfradierungen
, zumal in den zuletzt erschienenen
Einzelblättern. Hier tritt sie vornehmlich
in der Art der Raumaufteilung zutage.
Immer wieder macht mich ein Durchblättern
Geigerscher Mappen glauben, einen bedeutenden
Anteil an der suggestiven Wirkung der
Geigerschen Kunst habe die ganz eminente
Raumdisposition des Künstlers. Seine berühmten
„Stierkampf-Blätter, die unter dem Eindruck
zahlreicher Gefechte, denen Geiger in
Madrid und Sevilla beiwohnte, entstanden sind,
zeigen diese Raumaufteilung am sinnfälligsten.
Links oben in der Ecke sieht man eine Schar
von Banderillos um den gereizten Stier. Nur
etwa ein Sechstel der Kupferplatte nehmen
diese Gestalten ein — fünf Sechstel belebt
ein nervöses und körniges Gekritzel, das sich
wie Platten-Zufälligkeiten anläßt. Aber der
Eindruck außerordentlicher Weiträumigkeit der
Arena ist auf diese Weise vom Künstler unbeschadet
des kleinen Formats seiner Kupferplatte
restlos erzielt worden. Aehnlich verhält

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