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I
WILLI GEIGER
EXLIBRIS
Aus der Mappe „Exlibris-Radierungen"; Verlag Robert Bischoff, München
Zeichnungen in der „Jugend" und in einer
verschollenen Zeitschrift „Auster", seine Postkarten
, die er zu mancherlei Festen beisteuerte,
seine Buchtitel, seinen Buchschmuck. Ich
meine aber damit nicht seine Radierungen, die
aus Dehmels Versbuch „Verwandlungen der
Venus" ihre Motive holten. Denn hier kann
nicht von Illustrationen schlechtweg gesprochen
werden, sondern von genialen freien
Schöpfungen, die von dergleichen Stimmunggetragen
wie Dehmels
Verse, die
nämlichen erotischen
Themata
selbständig variieren
,die Phanta-
siensindüberdie
gleichen Motive,
welche derKünst-
ler im Bild ganz
anders verdichtete
als der Dichter
im Vers. Als
zusammenhängender
Zyklus
können diese Radierungen
sicher
für Geigers reifste
Arbeit ange-
WILLI GEIGER
sehen werden, wenn auch manches spätere Einzelblatt
, etwa das gespenstische „Halali", als
isolierte Erscheinung, als geschlossener Eindruck
in der Wirkung unmittelbarer ist. . . .
Aus Geigers reichem und eigentlich ganz
selbstverständlich und wie von selbst gewachsenem
Werk bilden die hier genannten und
skizzierten Arbeiten nur einen Ausschnitt. Sie
hier vollständig aufzuzählen und zu rubrizieren
, mußte als aussichtslos aufgegeben werden;
es konnte nur
darauf ankommen
, einige Leitmotive
und Ur-
prinzipien Geigerscher
Kunst
andeutungsweise
zu entschleiern
, um so einen
Weg zu einer
der temperamentvollsten
und selbständigsten
Persönlichkeiten
unter den
jüngeren deutschen
Künstlern
zu zeigen.
GeorgJac.Wolf
EXLIBRIS
Dekorative Kunst. XVI. 10. Juli 1913
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